Unsere glücklichen Hühner

Hühner sind richtig coole Viecher, die noch dazu immer mehr im Trend liegen. Ich kenne viele Menschen, die sich ein paar Hühner halten oder halten wollen – sei es wegen der eigenen Eier, sei es wegen den Haltebedingungen in der kommerziellen Tierhaltung oder einfach weil Hühner nette Gesellschaft sind, die auch noch Eier (und Fleisch) bei recht wenig Arbeitsaufwand liefern.

Auch wir haben Hühner aus mehreren Gründen, natürlich auch, weil wir Eier von ihnen haben wollen, wobei die Legeleistung der Hühner jahresszeitlich beträchtlich schwankt und mit den Jahren deutlich nachlässt. Bei uns legen bestimmt die Hälfte der Hühner keine Eier mehr, werden aber trotzdem immer noch durchgefüttert.

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Schlechter haben es da die Hähne, die bei uns aufwachsen dürfen, aber früher oder später geschlachtet werden müssen, da sonst das soziale Gefüge der Hühnerschar nicht mehr aufrecht erhalten werden kann (die Hennen sind dann zu gestresst, weil sie ständig ein Gockel besteigt und die Gockel streiten untereinander ums Revier). Auch Hühner kommen ca. 50:50 männlich: weiblich zur Welt. In der kommerziellen Hühnerzucht werden die Hähne als frischgeschlüpfte Küken getötet – eine ziemlich grausige Angelegenheit – denn mit den Hähnen von Legerassen kann niemand etwas anfangen, befruchtete Eier braucht da keiner bzw. sind Legehennen überhaupt Hybridhühner, die sich gar nicht fortpflanzen können.

Löblich sind natürlich die Bemühungen einiger Supermarktketten, die beginnen sogenannte Zweinutzungsrassen einzusetzen, die sowohl Eier für den Verkauf als auch Hähne die für die Fleischproduktion hervorbringen. Die Masthähne dürfen so heranwachsen und ein artgerechtes Leben führen bis sie im Alten von 3 Monaten geschlachtet werden (in der konventionellen Hühnermast dauert die Mast nur 1 Monat!). Trotzdem stehe ich immer noch auf dem Standpunkt, dass die artgerechteste Hühnerhaltung die der „freien bäuerlichen Haltung“ ist (auch wenn es die EU nicht mag). Ich bezeichne das jetzt einfach mal so – keine Ahnung wie man das wirklich nennt.

Wie schaut das bei uns aus? Unsere Hühner haben einen Stall zur Verfügung, in den sie rein und raus können, wie sie wollen. Sie haben einen Garten von 2.000m² in dem sie scharren, Würmer suchen, Sandbäder nehmen, Snacks verjausnen, Katzen vertreiben, durch den Zaun schlüpfen und einen Ausflug machen und wenn sie mögen auch im Baum schlafen können:

huhn im baum
Wieviele Hendl kannst Du entdecken?

Das würd mich jetzt aber echt interessieren: wie viele Hendl sind’s denn?


So, wo waren wir? Ah ja, beim Hühnerparadies…

Man könnte es bei uns also durchaus als hühnerparadiesische Haltung bezeichnen.

Zu einem solchen Hühnerparadies gehört natürlich auch, dass man die Hühner die ja allesamt Individuen mit einer eigenen, durchaus sehr unterschiedlichen, Persönlichkeit sind dort beobachten kann. Hühner schließen Freundschaften untereinander, erkennen sich gegenseitig, kommunizieren untereinander und mit den Menschen, die sie natürlich auch erkennen – manche sind frech, manche schüchtern, manche vorwitzig, tapfer, ängstlich, hysterisch, anhänglich…

Einer unserer Hähne der bei uns herumrennt ist Siegi, ein italienischer (oder Altsteirer?) Gockel.

Er, der Siegi, ist einer unserer feschen Pinkel und er geht jeden Tag mit seiner Freundin durchs Weidenthal spazieren. Seine Freundin (hat keinen Namen) ist ein Gerlinde Nachkommen (zu Gerlinde kommen wir gleich).

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Siegi und seine Freundin

Es ist immer so rührend anzusehen, wenn ein Hahn mit seiner oder mehreren seiner Hennen spazieren geht, es läuft nämlich ca. so ab: der Hahn geht vor, der Hahn schaut wo es was leckeres zu mampfen gibt, der Hahn scharrt betont auffällig dort damit ja nur alle seine -offensichtlich dummen- Hühner checken, dass es genau hier etwas zu fressen gibt. Oben im Foto fängt er gerade damit an. Frisst aber erst dann was, wenn wirklich jede seiner Damen bereits jausnet. Jede Henne braucht einen Hahn der ihr zeigt, wo sie was zu fressen findet. Glaubt der Hahn.

Außer Gerlinde.

Gerlinde ist die einzige Henne, die ich kenne, die (außer zum Sex) keinen Hahn braucht – aber auch sonst nicht unbedingt Gesellschaft bevorzugt. Sind alle Hühner auf der Weide, kann man sich sicher sein, dass Gerlinde alleine im Hof herumpickt. Hat sie das Katzenfutter entdeckt, verjagt sie die Katzen (sie ist eine Zweghenne!) und verspeist es selbst. Gerlinde staubt die Hähne davon und brütet alleine im in der Futterküche neben den Eierkartons – bringt aber jedes Jahr Ihre gesamte Brut durch. Eigensinnig, eigenwillig, einzelgängerisch, erfolgreich. So ist unsere Gerlinde eben.

Das waren jetzt nur zwei kleine Beispiele wie Hühner sich verhalten können, dabei habe ich noch gar nichts erzählt von…

  • den beiden Freundinnen, die immer gemeinsam in einer Box brüten und dabei aufeinander sitzen
  • von den beiden Hühnern, die gemeinsam eine einzige Brut aufgezogen haben
  • von der Erika, die partout bei uns leben will und nicht bei ihrer Besitzerin
  • vom Burschi, der Hahn, der eine Liebesbeziehung mit einer Gans hatte, bevor er sich ein Perlhuhn angelacht hat (eine besonders tragische Geschichte, wie ich finde)
  • und und und.

Ihr seht also: Hühner sind einfach klasse Viecher mit denen es nicht langweilig wird, es immer was zum Lachen gibt, die Eier und Fleisch liefern und auf einen Bauernhof gehören und nicht in eine Hühnerfarm.

Ich kann Euch nur ans Herz legen: sucht Euch einen Bauern eures Vertrauens als Eierlieferant (solange Ihr noch welche findet!) und bezahlt ihm einen ordentlichen Preis für seine glücklichen Eier (und vielleicht auch für geschlachtete Hähne und überhaupt für eh alles). Und dann gibt’s vielleicht in Zukunft wieder mehr glückliche Hennen, die glückliche Eier legen, und glückliche Hennen großziehen, die dann wieder glückliche Eier… Ach, ihr wisst schon worauf ich hinaus will.

Alles Liebe
mosauerin


Blog Preview

Als nächstes Tier stelle ich Euch Lilly, unsere Feinrippkatze vor und bis Sonntag könnt ihr noch über den „Mosauerischen Wirtshausführer“ abstimmen!


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2 Kommentare zu „Unsere glücklichen Hühner

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