D’Mosauerin und die Goldhauben

Jemand, der hier ungenannt bleiben möchte, hat zu mir gesagt als ich ihm erzählt habe, dass ich von der Goldhaubengruppe Kirchdorf/Inn zur Bezirksmaiandacht eingeladen wurde: „Geh, so oid bist jo du nu goa net“ – Da merkt man schon, wie der Ruf der Goldhauben so ist. Na das schau ma uns doch gleich mal an…

Die Maiandacht

Kirchdorf am Inn ist, das wissen vielleicht nicht viele, nicht nur ein kleiner Ort im Innviertel mit 600 Einwohnern, sondern auch ein Marien Wallfahrtsort. So liegt es wahrscheinlich nahe, dort auch eine Maiandacht zu veranstalten, wir Innviertler sind ja doch recht katholisch zugerichtet.

Ich persönlich hab’s ja nicht so mit Kirche und Glauben, aber als kommunikativer Treff ist so ein Kirchgang durchaus eine Erfahrung. Bevor man allerdings in die Kirche geht, müssen auch bei einer Maiandacht erst einmal alle da sein.

Auch die Musi.

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Sodala, auf geht’s und oans zwoar drei humptadaaaa…

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Ich hab ja eigentlich geglaubt (und so hab ich’s auch dem Mosauer verkauft, sonst hätt‘ ich ihn niemals dorthin bekommen), dass wir da ganz viele Goldhauben auf einen Haufen sehen werden. Ja Schnecke! Alle zwar wirklich fesch im Dirndl, aber keine einzige Goldhaube weit und breit zu sehen. Ich war im Erklärungsnotstand!

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Wenigstens ein paar Hüte waren unterwegs, aber auch das konnte den Mosauer nicht mehr überzeugen.

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Er war enttäuscht. Von mir. Liebe Goldhauben, ihr wisstas ja gar net, was ich an diesem Sonntag noch alles ausgesprochen Unkatholische machen musste, um DAS wieder gut zu machen! 😉

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Aber zurück zum Event, bevor wir uns da verplaudern: Ganz viele Frauen, ein paar Männer und die Kirche war schnell voll bis auf den letzten Platz. In Kirchdorf gibt’s übrigens eine Pastoralassistentin, die die Maiandacht geleitet hat – ja, wenn den Katholen die Männer ausgehen, sind ihnen die Frauen auch auf einmal recht. 2017_05_mosauerin_goldhauben_11

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So etwas geht halt auch nur am Land: Das Instrument Mutterseelen alleine am Bankerl vor der Kirche zurücklassen, während man beim Wirtn gach a Hoibe trinkt (und nicht in der Kirche sitzt, ich kann’s verstehen)

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Nach der Andacht ging’s in die Mehrzweckhalle gegenüber.

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Kaffee und Kuchen wurde den Damen gereicht. Es wurde geschnattert und geschmeckt scheint es auch zu haben.

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Der Kirchenchor sang…

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Die Hofmarkler Zeche tanzte…

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Und eine einzige Goldhaube gab’s auch. Die war dafür gleich einen halben Meter hoch!

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Aber was ist jetzt eigentlich so eine Goldhaube?

Wie vieles Trachtige entstanden die Goldhauben (innviertlerisch: Goidhaum) auch als modisches Accessoire der Bürgersfrauen im 18. Jahrhundert und in ihrer jetzigen Form dann ca. 1830. Die Goldhauben werden in der Regel selbst hergestellt, wobei man, je nach Aufwand, mit mehr als 300 Arbeitsstunden rechnen muss. Dementsprechend teuer sind diese Kopfbedeckungen dann auch, wenn man sie kaufen möchte. Getragen werden sie zu besonderen Anlässen, wie goldene Hochzeiten, Prozessionen oder ähnlichem.

Und die Goldhaubengruppen?

Die Goldhaubengruppen, typisch insbesondere in Oberösterreich, beschäftigen sich mit der Pflege des Brauchtums und der Trachten aber auch mit sozialen oder caritativen Aktivitäten und sind praktisch in jedem Ort vorhanden. Die Goldhauben haben auch eine Homepage mit weiteren Informationen.

Und die Menschen unter der Goidhaum?

Natürlich hab ich auch ein wenig mit den Goldhaubenfrauen geplaudert. Zum Beispiel mit der kreativen Marianne, hier rechts im Bild.

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Marianne war sogar schon im Magazin „Servus“ weil sie wunderbare Perlentaschen herstellt. Sie ist seit 40 Jahren bei den Goldhauben, weil sie sich für das Brauchtum interessiert und die Gemeinschaft mag. Beim gemütlichen Zusammensein nach der Maiandacht war sie für die freiwilligen Spenden zuständig.

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Als Dank und kleine Überraschung gab’s für die Teilnehmerinnen jeweils ein Wachsstöckl – früher quasi als Light-to-Go verwendet, handelt es sich dabei doch um eine Endloskerze. Heutzutage hat ein Wachsstöckl natürlich keinen wirklichen praktischen Nutzen mehr, jedoch erfreut es sich immer größerer Beliebtheit als Erinnerungsstück. So aufwändig wie sie gestaltet werden wäre es ohnehin zu schade um sie abzubrennen. Wer sich weiter über die Wachsstöckl informieren will, dem sei die Homepage von Hermine Aigner aus Kirchdorf ans Herz gelegt, die selbst Wachsstöckl herstellt (so auch die von der Maiandacht).

Und Mosauerin, wirst jetzt ah a Goidhaum?

Es war wirklich interessant bei den Damen, aber ich werde wohl eher nicht einer Goldhaubengruppe beitreten. Ihr wisst’s ja, ich hab’s nicht gar so mit der Tracht und eben auch nicht dem Glauben. Wer jedoch Gemeinschaft sucht und sich’s auf Trachten und Katholizismus steht, dem kann ich das jederzeit uneingeschränkt empfehlen. Ich find‘ es gut, dass die so zammarbeiten, zammhalten und gemeinsam aufeinander schauen, quasi social Networking am Land – nur halt unter der Haubn.

Vielleicht bin ich aber einfach nur doch noch z’jung.

Alles Liebe
mosauerin

 

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Ein Kommentar zu „D’Mosauerin und die Goldhauben

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