Surviving the Innviertel – ein Überlebensratgeber

Es hat sich nicht vermeiden lassen. Nicht mehr nur die Innviertler wissen, dass das Innviertel das schönste Platzl der Welt ist. Durch verschiedenste narrische Ideen wie Thermen, Biermonate oder Blogs, haben das jetzt auch Menschen von vui weit weg, also Wels oder gach sogar Linz, mitbekommen. Ein Zusammentreffen zwischen den Kulturen lässt sich also immer weniger umgehen. Wie sich also verhalten im Fall des Falles? Was sollte man möglichst tun, was aber unbedingt vermeiden beim Kontakt mit einem Innviertler? Die Mosauerin klärt auf.
Es ist gar nicht so leicht, mit einem Innviertler zurecht zu kommen, wenn man nicht von hier ist. Aber keine Sorge, den Innviertlern geht’s da auch untereinander oft nicht anders, denn die Gesetze des Miteinanders sind ungeschrieben und manchmal so unterschiedlich wie die Namen für eine saure Suppn.

Aber es gibt gewisse Grundregeln, die sollte man einfach kennen, wenn man ins Innviertel kommt, um den Besuch für beide Seiten zu einem möglichst wenig frustrierenden Erlebnis zu machen. Und frustriert ist der Innviertler eh schon genug, wenn dauernd irgendwelche fremden Menschen kommen und ihm sein Bradlfettenbrot wegessen wollen.

Grüßen
Griaß Eich

Das Grüßen – Griaß Eich!

Wir Innviertler grüßen alle – auch Menschen, die wir nicht kennen. Dauernd und gerne auch mehrfach. Möchtest du dich nicht als nicht Einheimischer zu erkennen geben, oder vielleicht sogar verbergen, dass du „a Preiss“ – gerne auch mit einer vorangestellten Schweinedame – bist, so grüße auch du alles und jeden, der dir über den Weg läuft, rollt, fährt oder kriecht.

Ein einfaches „S’Di“ bzw. – triffst du auf mehrere Individuen – ein „S’Eich“ reicht dabei aber vollkommen aus. Alles andere wäre nämlich schon wieder zu viel und würde vom Innviertler als enorme Aufdringlichkeit angesehen werden. Wir sind eben ein Volk der wenigen Worte. Freundlichkeit ja, aber bitte auf Distanz. Deswegen laden wir auch praktisch nie wen zu uns ein. Dazu später mehr.

Das Duzen – as Du-sogn

Soweit mir bekannt ist, sind wir im Innviertel alle per Du. Ausnahmen bilden nur absolute Respektspersonen und Menschen, die meinen, sie sind was B’sunders, weil sie in einer Metropole wie Ried, Schärding oder Braunau wohnen. Es ist übrigens auch möglich einer Person per Du seinen absoluten Respekt zu zollen, indem man z.B. „Du, Herr Pfarrer“ verwendet.

per Du
Per Du, nicht nur unter Freunden

 

Umgang mit Einladungen – „Kemmts amoi vorbei“

Trotz aller Bemühungen des Innviertlers, keinen Kontakt mit dir herstellen zu müssen, ist dir trotzdem das fast Unmögliche gelungen. Du hast dich mit einem Innviertler nett unterhalten. Du hast gegrüßt, du hast geplaudert und nun naht die Zeit des Abschiednehmens. Nachdem der Innviertler mehrmals angekündigt hat er müsse „hiazt dann wirkli“ gehen, trotzdem aber immer noch da steht, meinst Du er könne sich nicht von dir trennen. Noch dazu, wenn er die bedeutungsvollen Worte spricht: „Kemmts amoi vorbei“. Also: Kommt mal bei uns vorbei. Du jubelst innerlich, denn du meinst einen neuen Freund fürs Leben gefunden zu haben.

Ich muss dich enttäuschen. Wir meinen das nicht so! Im Gegenteil. Wir machen das nur, weil wir wissen, dass wir absolut faszinierende Menschen sind und wir dir den Abschied von uns erleichtern wollen, indem wir ein weiteres Treffen mit uns in Aussicht stellen. In Wahrheit heißt der Satz also nicht, dass wir uns auf eine Wiedersehen freuen, sondern wie es meine Leserin Katharina so treffend formulierte: Kinnts ruhig kemma, aber liaba wars uns, wanns ausbleibats!“ Falls du aber nicht ausbleiben kannst, bitte unbedingt den nächsten Tipp beachten:

Innviertler Knödelteller
Innviertler Knödelteller

Nahrungsaufnahme – Schmeckt’s da leicht net?

Solltest du wirklich einmal bei einem Innviertler eingeladen werden, empfehle ich eine gründliche Vorbereitung in Form einer zweiwöchigen strengen Diät vorab inklusive einer dauerhaften Einnahme der dreifachen maximalen Dosis an Cholesterinsenkern. Wir Innviertler haben von Natur aus einen zweiten und dritten Leberlappen eingebaut, der uns die Verdauung von kiloweise Surspeck und Grammelschmalz überhaupt erst ermöglicht. Vegetarische oder gar vegane Innviertler sind historisch nicht belegbar, da sie an vermindertem Cholesterinspiegel bereits 12 Minuten nach ihrem Entstehen ausgestorben sind.

Geh, wirst jetzt sagen, so schlimm kann das doch alles gar nicht sein. Sicher? Also an so einem typischen Besuchstag gibt’s in der Regel um 11:30 erst mal ein gscheids Bradl in da Rein, das heißt Surbauch und Surschopf mit Erdäpfel und Knödel (ich wusste vor meinem steirischen Exil gar nicht, dass es hier überhaupt ein entweder/oder geben könnte), Krautsalat, Radi und Epfikoch. Sowas braucht natürlich Zeit und Raum zu verdauen, also gibt’s als Nachspeis nur was Leichtes: Pofesen (in Schmalz herausgebackene Weißbrotscheiben, die mit Powidl gefüllt sind) zum Beispiel. Nach einem kleinen Verdauungsschnapserl serviert man dir dann um halb drei einen Kaffee und an Duatn (eine Torte) – bevorzugt fest von Buttercreme umarmt. Natürlich mit Schlag (geschlagene Sahne, es Preissn). Zur Jause um 16:00 gibt’s dann wahrscheinlich ein paar Kirchln mit Sauerkraut bevor man dir um ca. 18:00 zum Nachtmahle einen Innviertler Knödelteller hinstellt. Und es erwarten sich alle, dass du alles zammisst. Und wenn du freundlich aber bestimmt eine Speise ablehnst oder gar einen Nachschlag verweigerst, wird man dich enttäuscht fragen: „Schmeckt’s da leicht net?“ und dir trotzdem noch was auf den Teller kippen. Dich aber auch nie wieder einladen. Du siehst also, Nahrungsaufnahme ist bei uns kein Spaß nicht!

ein Schwein
A Sau

Alles gesagt in 2 Worten – Basst scho

Wie gesagt, die Innviertler sind nicht die, die die großen Reden schwingen. So können sie mit nur zwei Worten ein ganzes Potpourri an Gefühlslagen ausdrücken. Von „Baaaast scho“ bis „Bast schooo“ erstreckt sich die gesamte Bandbreite von zu Tode betrübt bis himmelhoch jauchzend. Anschauungsbeispiel: Ich mag jetzt nicht darüber reden: Baaaast scho. Als Antwort auf die Frage „Und wie findest Du mein Kleid?“ – Furchtbar, zieh was anderes an: baast schooo. Du bist die Liebe meines Lebens und ich möchte keine Sekunde mehr ohne Dich verbringen: Basst scho. Wobei im letzteren Fall auch eine Abwandlung durchaus üblich ist: „Bast eh„. Ja, Romantiker sind wir halt keine.

Mit diesen auch im Alltag leicht anzuwendenden Tipps wirst du zwar wahrscheinlich trotzdem nicht spontan zum Ehrenbürger von da Schmoin oder Utznoach ernannt werden, der Innviertler wird deine Bemühungen vielleicht noch nicht mal besonders lobend erwähnen, weil er sie ohnehin für selbstverständlich hält. Er wird dir aber ein gewisses Wohlwollen entgegenbringen, das er vielleicht sogar mit dem allerhöchsten Innviertler Kompliment ausdrückt: „Wos eigns bes hot a / hod’s net“. Aber was das jetzt heißt, müsst’s schon selbst herausfinden. Fragt’s am Besten einen Innviertler.

In diesem Sinne: Benehmt’s Eich Leitl!
Mosauerin

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