Die Karwoche & Ostern damals am Innviertler Bauernhof

Nach dem Fasching beginnt mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit vor Ostern.  Das ist heute noch so, aber früher nahm man das mit dem Büßen und Beten a bissi genauer. Verständlich, denn ohne die technischen Hilfsmittel und dem Wissen von heute war man auf „Hilfe von Oben“ angewiesen. Heute erzähl ich Euch, was sich so rund um Ostern früher auf einem Innviertler Bauernhof so tat und ihr erfahrts was Antlaßpfingsta bedeutet.

Palmsamstag und Palmsonntag

So richtig begonnen haben die Ostervorbereitungen auch früher erst mit dem Palmsonntag.

Am Palmsamstag ging der Bauer oder der Großknecht mit den Kindern des Hofes zum Schneiden des Elexenbaumes, das der Palmbaum werden und vom Bauernbub im passenden Alter getragen werden sollte. Die „kluge Bäuerin“ hatte schon vorher Äpfel zammgspart, mit denen der mit Büscheln vom Seg’nbaum (Konifere) und auf entrindete Weiden- und Palmkatzalzweige gebundene Palmbaum geschmückt wurde. Natürlich ging’s auch damals darum zu zeigen, was man hatte und so galt die einfache Regel: Je größer der Bauer, desto größer der Palmbaum. Wer ko, der ko.

Diese kunstvoll gebundenen Palmbäume wurden dann am Palmsonntag zur Kirche geschleppt, dort geweiht, wieder heim geschleppt und in der Stum zerlegt. Die Büscheln des geweihten Baumes brauchte man für allerlei Dinge: Unter das Dach und in die Ställe kam etwas gegen Blitzschlag, auf die Felder kam was und auch der Gemüsegarten wurde nicht vergessen. Das Vieh bekam ein Stück Apfel und etwas von dem Grünzeug. Auch die Menschen aßen die Äpfel, denn sie sollten vor Krankheit schützen.

Die Tage der Karwoche waren Bauernfeiertage, das heißt die Feldarbeit ruhte an diesen Tagen. Es wurde nur das Nötigste in Haus und Hof erledigt.

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Auch schon lange her: die Mosauerin in ihren jüngeren Tagen mit Palmbaum.

Antlaßpfinsta

Antlaßpfinsta wurde der Gründonnerstag genannt. Das Wort setzt sich aus „Ablass“ und dem alten Wort für Donnerstag: „Pfinsta“ zusammen und macht recht klar, um was es geht. Die Vergebung der Sünden nämlich.

Die Eier die die Hehna an diesem Tag legen, sollen besonders „heilig“ sein und gegen Hexerei und Krankheit helfen – dementsprechende begehrt waren sie als Ostereier. Was mit diesen Antlaßeiern dann passierte, da widersprechen sich meine Quellen ein wenig. Die einen sagen, dass die Großdirn sie bekommen hat, die anderen sagen, dass sie am Ostersonntag geweiht wurden und dann an die Hofbewohner verteilt und gegessen wurden. Was stimmt? Wahrscheinlich beides.

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Dass am Gründonnerstag die Glocken nach Rom fliegen, wisst ihr, dass die Ratschenbuben beim Ratschen den englischen Gruß beten (das kommt von Engel, nicht vom Land – ich war auch verwirrt) vielleicht aber nicht. Kennen tut Ihr ihn aber bestimmt:

Gegrüßest seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.

Sagte ich es nicht?

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Karfreitag

Der Karfreitag war auch schon früher ein strengen Fasttag, da erzähl ich Euch jetzt wahrscheinlich nix neues. Man durfte aber früher an diesem Tag auch keinesfalls etwas anbauen, sei das Wetter auch noch so geeignet, denn es würde nichts werden. Wenn es am Karfreitag regnete, würde obendrein eine große Trockenheit drohen.

Am Karfreitag ging man am Nachmittag in die Kirche zum „heiligen Grab“ und angeblich wurden dort auch die Wunden des Herren geküsst, das hab ich aber aus einem Buch. Wenn ihr das auch so kennt’s aus Erzählungen, dann freu ich mich über eine kurze Nachricht.

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Karsamstag

Am Karsamstag früh wurde das Wasser und das Feuer geweiht. Natürlich in und vor der Kirche. Das Wasser wurde als „neue Taufe“ auf den Gräbern der Angehörigen verspritzt und auch mit nach Hause genommen und in die Weihwasser-Behältnisse im Haus gegeben. Zur Feuertaufe brachte man ein paar Scheitel von zuhause mit, die man am geweihten Feuer entzündete und wieder ablöschte. Diese angebrannten Scheiter nahm man wieder mit nach Hause und verteilte sie am Dachboden und die Felder (Manchmal frag ich mich ja echt, ob die am Dachboden noch steigen konnten, was die da früher immer alles raufgestellt haben 😉 ) Auch etwas Asche trug man mit heim und gab sie in den Ofen oder das Herdfeuer wurde mit geweihtem Feuer angezündet.

Außerdem wurde am Karsamstag auch noch kurz das komplette Haus geputzt und am späten Nachmittag ging es zur Auferstehungsfeier – in die Kirche. In einem Buch habe ich gelesen, dass die auch so mit einem Prozession wie zu Fronleichnam vonstatten ging und die Mädchen dabei weiß gekleidet waren. Da weiß ich aber auch nix genaueres. Ihr?

Ostersonntag & Ostermontag

Kein Spaß war es sicherlich, am Ostersonntag um drei oder vier Uhr früh zum „Kornfeldbeten“ auf die Felder zu gehen. Einen Rosenkranz beten, morgens um vier, da weiß ich mir auch was Lustigeres. Schlafen zum Beispiel. Der Bauer brachte dabei Saat mit vom Feld mit heim, das nachher, denn natürlich ging man wieder in die Kirche, gemeinsam mit Fleisch und Brot und den Antlaßeiern geweiht wurde. Dieses mal kam dann aber nichts auf den Dachboden, sondern die Saat kam wieder aufs Feld. Gemeinsam mit den den geweihten Scheiteln von gestern, die mit einem Büschel vom Palmpalmbaumin die Felder gesteckt wurden. Und DANN wurde auch Eier gepeckt. Nicht lange, denn am frühen Nachmittag ging man – schon wieder – in die Kirche!

Am Ostermontag besuchte man die Verwandtschaft und wurde man besucht bewirtete man die Verwandtschaft besonders reichlich und vom besonders schönen Geschirr. Auch ich hab ja so einen Kasten mit dem schönen Geschirr. Ganz früher hatte man das schöne Geschirr in der schönen Stube, die man nie benütze – nur zum Eindruckschinden bei der Verwandtschaft.

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Die Ostertage waren ziemlich die letzten Tage, an denen noch halbwegs wenig Arbeit am Bauernhof zu erledigen war, bald ging es ans Heign und Antn und ruhiger wurde es erst wieder nach Allerheiligen. So lange bleibt’s hier am Blog nicht ruhig, ein paar Geschichten über alte Traditionen im Innviertel hab ich noch auf Lager. Wonns es megts.

Pfiat Eich dawei
Mosauerin

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3 Kommentare zu „Die Karwoche & Ostern damals am Innviertler Bauernhof

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  1. Ich bin auch aus dem Innviertel und leider ist bei uns im Bezirk viel Tradition verloren gegangen. Die Alten erzählen nicht viel oder können es gar nicht mehr. Zu Ostern, da kann ich mich erinnern, gab es bei vielen Bauern einen Oakas. Ich gab es leider nie probieren können. Kennt das jemand?

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    1. Griaß Di Maria,
      ja man sollte sich unbedingt mit den Älteren über diese Dinge unterhalten, denn es kann oft schnell gehen.
      Ich persönlich kenne keinen Oakas, aber vielleicht jemand anderer hier?
      Pfiat di dawei
      Mosauerin

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