Innviertlarisch mit da Mosauerin – Lektion 2: „Schimpfen wia d‘ Oma mim Opa“

Wenn man eine neue Sprache lernt, gliedern sich die Themen, die man abarbeiten muss, in drei Bereiche. Absteigend nach Wichtigkeit: 1) „Ich liebe dich“ sagen und ein Bier bestellen können (ich bin mir da nie so sicher, was wirklich wichtiger ist). 2) Einige lokale und bevorzugt derbe Schimpfwörter so verwenden können, dass einem die Einheimischen zu Füßen liegen oder es ihnen zumindest die Schamesröte ins Gesicht treibt. 3) Den ganzen anderen Bledsinn, der in Wirklichkeit eh niemanden interessiert, wenn man 1 und 2 beherrscht. Und weil „basst scho“ und „a Hoibe bitte“ auf Innviertlerisch nicht sooo schwierig ist, steigen wir gleich direkt in den zweiten Block ein: dem Schimpfen auf Innviertlerisch.

Parental Advisory: Explicit Content
Dieser Blogartikel ist für
zartbesaitete Gemüter und  humorlose Gläubige wahrscheinlich nicht geeignet und enthält auf jeden Fall Gossensprache, Geschmacklosigkeiten sowie blasphemische Ausdrücke.
Sagen Sie nachher nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

Alle anderen: Willkommen also zur Lektion 2!

Schimpfen wia d‘ Oma mim Opa

Das Schimpfen ist im Innviertel, nicht nur wegen der enormen Emanzipation hier, weder weiblich noch männlich dominiert, das können beide Geschlechter bei uns recht ausführlich und ausdauernd. Wobei es aber Schimpfwörter gibt, die dem jeweiligen anderen Teil der Menschheit vorbehalten sind. Weil Frauen grundsätzlich aber mehr Grund haben, mit den ihrigen oder auch anderen Männern zu schimpfen, betrachten wir das sprachliche Konstrukt der Innviertler Schimpferei anhand eines aus dem Leben gegriffenen Fallbeispiels von früher, das so nie stattgefunden hat, aber jederzeit überall so hätte stattfinden können. Warum da überhaupt die sanfte Oma und lustige Opa herhalten müssen? Weil Oma und Opa in unserem fiktiven Beispiel bereits seit 52 Jahren verheiratet sind, die Oma schon die Midlife Crisis ihres Sepps ertragen hat, einen schlechten Tag hatte weil der Ischias wieder gedrückt hat und die Nerven irgendwann einfach echt blank liegen in so einer Beziehung. Und da sagt man halt Dinge so, wie man sie sich denkt. Zum Beispiel in der folgenden Situation:

Wenn der Opa nämlich kein sanftes Frauenzimmer dahoam gehabt hat, das ihn freudig begrüßt hat, wenn er leicht angeheitert (also mit einem ausgewachsenen Rausch a da Birn) am Sonntag Mittag zu spät zum Essen vom Wirtshaus Gottesdienst heimgekommen ist, hat es ihm schon passieren können, dass er noch nicht richtig beim Hoftor drinnen war und d’Oma ihm schon entgegengestartet ist mit: „Himmiherrschaftszeiten,  du oida Bsuf wo bleibstn du? Du schiacha Hodalump wirst du denn nia gscheida?“ Da war da Opa dann grundsätzlich gut beraten, wenn ich sich auf nix einlassen und sich lieber mit einem reumütigen „Na“ auf d’Ofnbeng zurückgezogen und sein Rausch ausgeschlafen hat.

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D’Ofnbeng beim Kachelofen, aber nicht beim Mosauer

Wir hingegen können uns heute mal nicht auf der Ofenbeng ausrasten, sondern analysieren das gerade Erlebte auf seinen Aufbau und stoßen dabei neben den orthographischen und phonetischen noch auf morphologische und semantische Besonderheiten, die wir mal beiseite schieben und uns stattdessen dem syntaktische Aufbau widmen.

Wir erkennen:

Direkte Beschimpfungen eines Gegenübers sind im Innviertlerischen logisch konsistent aufgebaut nach der Formel

A + „du“ + C + B + Anlass der Beschimpfung +“. Du“ + C‘  + B‘ + D

Wobei:
A… Fluch mit irgendwas Himmel/Gott/Sakrament drinnen
B, B‘.. geschlechtsspezifisches Schimpfwort in Varianten, niemals das Selbe verwenden!
C, C’…attributives Adjektiv, ebenfalls immer unterschiedlich
D… rhetorische Fragestellung die die Schuld des Beschimpften noch einmal herausstreicht

Um zu unserem Beispielsatz zurückzukehren:

Himmiherrschaftszeiten (A),  du oida (C) Bsuf (B) wo bleibstn du? Du schiacha (C‘) Hodalump (C) wirst du denn nie gscheida (D)?“

Für die Variablen können in der Regel folgende Worte zum Einsatz kommen:

A…Hagods, Hagodsakkra, Kreizdeifi, Kreizdeifieini, Kreizdeifieininuamoi, Hagodsakkrafixdeifieininuamoi, Kruzifix, Zefix, Zetirkn, Kreizkruzifix, Sacklzement, Himmihergottszeiten, Himmihergotsakkra, Himmiherrschoftszeiten, Himmiherrschoftszeitenfixdeifieininuamoi u.s.w. der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt, wichtig ist lediglich der Bezug zu irgendetwas Kirchlichem, damit holt man sich gleich mal die Absolution von ganz oben, und es schadet ja zumindest nicht, sich einen hochrangigen Verbündeten gleich mal ins Boot zu holen.

B, bzw B’… für Männer: Doim, Haumtaucha, Gratler, Bsuf, Malefizbua, Mostschädl, Voizipf, Rindviech, Sudhefn, Falott (Valott), Bosnigl, Hodalump, Lodsch, Ruabnzuzla, Zipfikopf, Strahbrunza, Lackl, Hammi, Loamsiada, Hundsgrippi, Gimpi, Hundling, Sacklpicka, Reabeidl, u.s.w. u.s.f.
B, bzw B’… für Frauen: Trutschn, Funsn, Blunzn, Pleampe, Rindviech, Kua, Treamin, Sau, Suam, Gretzn, Luada, Gfrast, Bridschn, Schnoin, Zwidawurzn, Rombratl u.s.w. u.s.f. auch hier gilt: lassen sie ihre Worte einfach raus wie sie Ihnen einfallen!

C, C’… g’stungene/a, deppata/a, schiache/a, g’schissene/a, malefiz, oreidige/a, oide/a, gwampate/a, foaste/a, simseidane/a, g’schlampate/a, scheaglade/a, großkopfade/a, greisliche/a, damische/a, blede/a, brunzblede/a, ausgschamte/a, usw.

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Und jetzt: Lassen Sie uns etwas üben!

Beispiel 1: Sie sind in einem Gasthaus. Sagen sie ihrem Sitznachbarn, dass Sie seine laute Sprache beim Essen stört.

mögliche Lösung: „Kreizsacklzement (A),  du scheaglada (C) Lodsch (B) wos schreistn du so? Du damischa (C‘) Lackl (B‘) kannst du net leise redn (D)?“

War doch gar nicht so schwer, nicht wahr?

Jetzt sind Sie dran! Bitte schreiben Sie ihre Antworten in die Kommentare, ich werde sie dann beurteilen und Ihnen Feedback geben. Fügen sie auch die von Ihnen verwendeten Elemente wie im Beispielsatz hinzu.

A) Sie gehen aufs Gemeindeamt und möchten sich beim Bürgermeister über die erneute Erhöhung der Müllgebühr beschweren.

_____________________ (A),  du stingada (___) ______________________ (B) wieso ist des schon wieder teurer worden? Du __________________(C‘) _______________________(B‘) soi i mein Mist leicht zu dia in Goatn schittn (___)

B) Ihre Frau war einkaufen und hat schon wieder viel zu viel Geld für Schuhe ausgegeben.

_____________________ (A),  du _________________________ (C) Trutschn (___) glaubst mir ham an Goidscheissa dahoam fia deine Schuach? Du __________________(C‘) _______________________(B‘) ______________________________ (D)

Wie ist es Ihnen dabei ergangen? Alles erledigt? Gut gemacht! Sie dürfen stolz auf sich sein!

Als letzte Übungsaufgabe nun die Sternchenaufgabe (Anm: hier dürfen sie sich austoben und gerne verschiedenste Varianten hintereinander zusammenfügen), diese Übung zählt 10 Punkte für das Abschlusszertifikat „CIT – Certified Inviertlerisch Talker“ das sie gerne bei mir gegen eine kleine Prüfungsgebühr erweben können.

C) Ihr Mann hat ihren Geburtstag vergessen. Was sagen sie zu ihm?

_____________________ (A),  du _________________________ (C)_________________________ (C)_________________________ (C)_________________________ (C) ______________________ (B) wieso ___________________________________? Du __________________(C‘) _______________________(B‘) ______________________________ (D) __________________________________ (A)  das derf doch nicht wahr sein du ___________________________________(   )___________________________________(   ) ___________________________________(   )___________________________________(   )

Noch ein wichtiger Hinweis! Schimpft der Innviertler mit Ihnen, heißt das nicht, dass er das wirklich ernst meint. Im Gegenteil, hat er erst mal seinen Unmut mehr oder weniger laut geäußert ist er durchaus rasch wieder gut Freund mit Ihnen und lädt sie vielleicht sogar auf a Hoibe ein. Schlagen sie diese nicht aus, sondern setzen sie sich zu ihm und lernen Sie ihren neuen Freund fürs Leben kennen!

Facts from a Local Auskenner!
Frage: Was sagen Sie als Innviertler zu jemanden, den sie wirklich gar nicht mögen?
Antwort von Local Auskenner Pepi aus G.: "Saupreiss, damischa"

Mit diese Lektion haben Sie ein gewaltiges Stück Innviertel in sich aufgesogen und Sie sind reif die nächste Lektion „Email, SMS und WhatsApp mit einem Innviertler – wie er dich mit seiner Wortkargheit nicht in den Wahnsinn treibt

Und sollte sich dabei noch weiterer Bedarf nach Sprachunterricht ergeben (und er wird sich ergeben, wenn Sie erst mal mit einem Innviertler SMSn oder WhatsAppn!) um nur 135,40€ pro Stunde bring ich Ihnen gerne alles bei, was ich weiß. Keine Angst, so viel ist das nicht.

Pfiat Eich dawei, bis zur nächsten Lektion es simseidan (C) Haumdaucha (B)
Mosauerin


PS: Einen lieben Dank an ALLE meine Freind&Followa auf Facebook, die mir ihre Lieblingsschimpfwörter zugeschickt haben.

PPS: Und für alle, die jetzt verzweifelt nach einer Lektion 1 suchen: es gibt wirklich keine!

PPPS: Und nein, es gibt auch kein CIT. Noch(!) nicht.

PPPPS: Und ich möchte nochmal betonen, das Beispiel ist frei erfunden und alle Eure Großmütter waren und sind total happy mit ihren Männern!

PPPPPS: Und nein, beim Mosauer ist es natürlich auch nicht so zugegangen!

 

 

 

 

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6 Kommentare zu „Innviertlarisch mit da Mosauerin – Lektion 2: „Schimpfen wia d‘ Oma mim Opa“

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  1. Sakrament, du großkopfads Grippi, a Pleampe und a Suam woan owa oiwei schau Maunaleid. Du auspfachte Bisguan, is da leicht goa koa iviatla Schnowi gwoxn?
    Richtig so?

    Gefällt mir

    1. Jo sakklzement, du gstunane zwiedawurzn, wo waratn den a pelampe und a suam monaleid. du scheaglade britschn lean zeasche amoi as lesn.
      ja ungefähr so. 😀

      aber im ernst: ich kenn pleampe und suam nur für frauen. aber vielleicht ist das ja universell einsetzbar? quasi ein joker? 😉

      Gefällt mir

      1. Also bei uns a da Granatz (vormaliges bayrisch-österreichisches Grenzgebiet) sind die Pleampen und die Suam (bzw. deren Verwandte, die Suamhausa) männlich. Aber vielleicht hat das ja etwas mit der Emanzipation zu tun 🤣

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