Meine Schwalben

Noch sind sie da, meine Schwalben und jeden Tag wieder geht mir das Herz auf, wenn ich sie durch die Luft brausen seh. Jedes Jahr freue ich mich schon so drauf, wenn sie endlich wieder aus ihrem Winterquartier eintreffen und es wieder rund geht im Luftraum über dem Mosauerhof.

Heuer war es erst am 02. Mai so weit und ich hab mir schon richtige Sorgen gemacht (wirklich! Nicht lachen!) ob sie denn überhaupt noch kommen. “Wo hand denn nur meine Schwoibal…” Und die Angst ist ja nicht sooo unbegründet, denn viele der Vögel schaffen die beschwerliche Reise von mehr als 12.000 km pro Stecke nicht und das mit der Insektenvielfalt lässt ja auch zu wünschen übrig. Nicht nur für meine Schwalben hab ich daher einen kleinen Naturgarten – oder wie der Innviertler sagen würde “a so a Wix” – angelegt.

Aber zurück zu den Schwalben: Ich hab schon geglaubt, sie kommen gar nicht mehr und war schon richtig traurig – aber dann waren sie auf einmal da. Mit vollem Karacho und wie immer in einer großen Gruppe die sich immer mehr aufteilt auf den umliegenden Höfen. Was für eine Show! Da sitz ich dann im Hof auf der Sunnbeng und g’frei mi einfach nur, wenn ich dem bunten Treiben zuschaue.

Flugshow!

Denn wenn sie dann da sind, dann wird der ganze Hof erkundet und die besten Nistplätze ausgemacht. Jede noch so kleine Öffnung wird von den Rauchschwalben genützt, um in die alten Ställe zu zischen und zu schauen wo sich das best Nest errichten lässt. Oder noch besser: Wo schon eines ist, das man für den Nachwuchs nützen kann – und was sich während ihrer Abwesenheit verändert hat. Schwalben sind nämlich sehr ortstreue Vögel, die immer wieder die gleichen Nistplätze aufsuchen, in der Regel auch dort wo sie geboren wurden. Leider verlieren sie aber immer mehr Nistplätze, weil Bauernhöfe aufgegeben und umgebaut werden oder weil die heutigen glatten Fassaden keinen Nestbau mehr zulassen.

Die Rauchschwalbe mit typischem langen Schwalbenschwanz

Die Rauchschwalben heißen übrigens deswegen so, weil sie früher durch die Öffnungen ins Haus kamen, die als Rauchabzug benutzt wurden. Rauchschwalben nisten nämlich im Gebäude. In mindestens 2,5 Meter Höhe und wenn man in einem dämmrigen Gebäude ab April die Fenster offen lässt (kippen reicht!) und unter dem Gewölbe oder ähnlichen ein kleines Brettchen anbringt, finden sie einen geeigneten Platz für ein Nest vor.

Rauchschwalben Nest am Mosauerhof
ein anderes Nest, hier sieht man das Brett als Bauhilfe gut

Zum ersten mal hatten wir heuer übrigens nicht nur Rauchschwalben sondern auch ein Mehlschwalbenpärchen, das sich sein Nest aber noch selbst bauen musste – unterm Dachvorsprung, weil ja noch keines da war. Mehlschwalben kommen ungefähr 2 Wochen nach den Rauchschwalben an und sind genauso wendige Flieger wir Rauchschwalben. Ihre Nester sind nicht nur außen, sondern sie sind auch fast bis oben zu.

Mehlschwalben Nest am Mosauerhof

Wichtig für den Nestbau von beiden Schwalbenarten ist, dass sie feuchten Lehm finden, den sie zum Mauern benützen können – wer den Schwalben was Gutes tun will stellt ihnen daher künstliche Latschen (“Lacken”) auf. Vor allem, da immer mehr Fläche versiegelt wird und auch Feldwege und Güterwege immer mehr asphaltiert werden fehlen diese natürlichen Wasserstellen. Wir haben zwar einen Teich, an dem es genug Lehm gibt, aber nachdem wir hier auch Igel und anderes Getier haben gibt’s bei uns trotzdem Wasserstellen am ganzen Hof verstreut.

künstliche Wasserstelle im Wurzgarten – für Igel, Insekten und andere Kleinlebewesen. Wichtig für Insekten: Landestelle in Form von Steinen hineingeben

Schon bald nach dem Nestbau beginnt die Brut, und wenn der Nachwuchs dann ca 3 Wochen später da ist, muss er natürlich gefüttert werden. Die Jagdreviere – Schwalben fressen Insekten aus der Luft – sind immer in der Nähe über den Feldern, denn sie brauchen niedrige Vegetation um zu jagen. Und dann kommen sie mit Futter angeschossen und versorgen ihre zwei (manchmal auch drei) Bruten im Jahr.

Der August ist dann der Monat, wenn sie sich schön langsam aber sicher bereit machen. Denn lange werden sie nicht mehr hier sein, sondern ihren gefährlichen Flug über die Alpen und das Mittelmeer bis tief nach Afrika antreten. Schon jetzt üben sie steigen und gleiten und im Hof ist es ganz seltsam still geworden, weil sie ihre Nester für heuer nicht mehr brauchen.

Rauchschwalbe im Flug

Bis sie hoffentlich nächstes Jahr wieder kommen und mich von meiner Warterei “Wo hand denn nur meine Schwoibal…” erlösen und den Hof wieder mit ihrem lustigen Gezwischer bevölkern. Und ich wieder dasitze auf meiner Sunnbeng und mich wie eine Schwalbenkönigin freue.

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von Anders Noren.

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