Die alten Knacker

Juni 2022

A so a richtig gscheide Essigwurscht, des is wos Feins.


Mosauerin Kolumne

„Mei, so a richtig g‘scheide Essigwurscht. Des is wo’s Feins.“ Mit diesem Satz zaubern sie um diese Jahreszeit, wenn der Innviertler vielleicht gerade nicht vom Bradl träumt und die Speckknödel in der weiten Ferne der Tiefkühltruhe ihren sanften Sommerschlaf halten, ein andächtiges Lächeln in so ziemlich jedes Gesicht zwischen Hochburg-Ach und Engelhartszell. Die Gesichter von Vegetariern und Veganern vielleicht mal ausgenommen. Obwohl es soll ja, besonders um die Gegend um Ried herum sogenannte „Acetofarcietarier“ geben, die durchaus der zarten Frische einer behutsam aufgeschnittenen Knacker an reschem Mostessig mit feinsten Zwiebelringelchen etwas abgewinnen können – wenngleich sie auch sonst auf jedwede fleischlichen Gelüste dankend verzichten. Unter uns: Ich kann es verstehen. Beides. Aber Moment mal – eine behutsam aufgeschnittene Knacker? Hab ich das wirklich geschrieben und damit eingemeißelt? Über nichts tobt im Innviertel doch seit Menschengedenken ein ähnlich erbitterter Glaubenskampf als um die Frage: „Wos fia a Wuascht k’heat eigentlich in a Essigwuascht eini?“ (Mal abgesehen von der Frage „Stöckikraut zum Bratl – Kulinarische Tollkühnheit oder einzig möglich Kraut-Zuaspeis“). „Knacker!“ – schreien die einen. „Speckwurscht!“ – brüllen die anderen zurück. Und die Veganer quietschen jetzt auch noch mit, denn mittlerweile gibt’s ja auch Wurschtnachbau aus Weizen und Soja und sonstigen Leckereien.

Für die Hüfte, respektive den Speck auf der Hüfte, der sich bei einem zu viel an Essigwurscht (und den dazu obligatorischen reschen Salzstangerl vom Lieblingsbäcker) ansetzt, ist es übrigens egal ob Speckwurst oder Knacker. Denn in beiden ist original gleich viel Fett enthalten. Bei der Knacker (eigentlich übrigens der „Salzburger Knacker“) ist es lediglich mitgecuttert, bei der Speckwurscht ist es gewürfelt im Brät mit drinnen. Nix war’s also mit Kalorien sparen. Ha!

Für welche Wurscht Sie sich aber auch für Ihre Essigwurscht für heißen Sommertage entscheiden: Gönnen wir uns diesen Sommer doch einfach mal ausschließlich BIO Knacker oder BIO Speckwürste. Dafür essen wir einfach nur halb so viele Essigwürschte wie sonst. Dann sparen wir uns auch gleich was.

Das kriegen wir alten Knacker doch zamm oder?

Erschienen in den Oberösterreichischen Nachrichten in der Rubrik Unser Innviertel

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