Zwizeidi

August 2022

Da Holla is zwiezeidi, das Leben aber auch.


Mosauerin Kolumne

Es gibt im Dialekt ja oft Wörter, die beschreiben Sachverhalte mit einem Wort viel genauer, als man es in der Schriftsprache überhaupt hinbekommt. Zwizeidi ist so eines davon. Mit dem knappen Satz: „Da Holla is zwizeidi“ kennt sich eigentlich a jede Innviertlerin gleich aus. A jeder Innviertler übrigens auch. Wer sich allerdings nicht auskennt, ist der liebe Besuch aus dem schönen Saarland, dem man beim Gartenrundgang im August langatmig erläutern muss: „Auf diesem Holunderstrauch befinden sich Fruchtstände, die sich gleichzeitig in zwei verschiedenen Reifestadien befinden und daher zur Ernte nicht geeignet sind.“ Was jetzt an und für sich auch kein Weltuntergang ist, solange man nicht auf die Erzeugung von nomnom Hollerröster spitzt, so wie ich. Dann ist so eine Zwizeidikeit nämlich ausgesprochen unbefriedigend.

Mein generelles Problem mit dieser Zwizeidikeit ist, dass es so ein Mittendrin Stadium ist. Irgendwie so undefiniert. Ungreifbar. Der Holler ist zwar reif, aber auch wieder unreif. Oder Unreif, aber doch irgendwie reif. Je nachdem ob man mehr der Neigungsgruppe Optimisten oder Pessimisten angehört. Fertig, aber halt auch nicht so ganz. Aber roh halt auch nicht mehr. Nix Hoibat’s und nix Ganz‘ eben.

Diese Zwizeidigkeit scheint mir, wenn ich so darüber nachdenke, im Leben aber viel öfter vorzukommen als lediglich zu Erntezeiten. Denken Sie nur mal an Pubertierende. Kein Kind mehr, aber erwachsen halt auch noch nicht. Oder meine Socken von denen einer ein Loch hat. Nicht mehr zum Anziehen, aber halt auch nicht komplett hin. Oder Sonntagabende. Nicht mehr wirklich Wochenende, aber halt auch nicht Montag. Auch der August ist so was zwizeidigs. Irgendwie nicht mehr Sommer, aber Herbst halt auch noch nicht.
Sie sind der Meinung, die Mosauerin schreibt heute einen ganz schönen Holler zamm? Seien sie froh, dass ich mir heute über das Wort „zwizeidi“ Gedanken gemacht habe und nicht über die gute alte Redewendung „ausschaun wia a g’spiems Epfikoch“.

Erschienen in den Oberösterreichischen Nachrichten in der Rubrik Unser Innviertel

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