Schrödingers Post

September 2022

Immerhin irgend wessen Post


Mosauerin Kolumne

Ich weiß ja nicht, wie sehr Sie in Sachen Quantenphysik bewandert sind – gehört davon haben sie aber sicher schon. Insbesondere seit „wir“ einen im Innviertel geborenen Nobelpreisträger haben.

Eines der berühmtesten quantenphysikalischen (Gedanken)Experimente ist das von Schrödingers Katze. In Kurzform geht es dabei darum, dass sich in einer verschlossenen, undurchsichtigen Kiste eine Katze, etwas Giftgas, ein Geigerzähler und ein Atomkern befindet, der innerhalb einer bestimmten Zeitspanne mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zerfällt. Zerfällt er, bewegt sich der Geigerzähler und löst damit die Freisetzung des Giftgases aus, das die Katze tötet. Ob das allerdings passiert ist, oder nicht, kann man von außen nicht feststellen. Man weiß also nicht, ob die Katze tot ist, oder lebt – sie ist beides. Erst wenn man die Box öffnet, ist die Katze tot oder lebendig.

Das klingt zwar etwas seltsam, wird Ihnen aber wahrscheinlich klarer, wenn ich dieses – zugegeben nicht nur für Katzenliebhaber etwas schwer zu verdauende Experiment – in ein (Alltags)Experiment übersetze, das ihnen nicht ganz unbekannt vorkommen dürfte: Die Zustellung ihrer Post. Oder besser: deren Nichtzustellung.

Kriegen sie aktuell auch so selten Post? Möglicherweise sind sie daran selbst schuld! Denn solange Sie nicht zum Briefkasten gehen und reinschauen, ist ihre Post sowohl zugestellt, als auch noch beim Nachbarn (im günstigsten Fall), im Verteilzentrum (im zweitgünstigsten Fall), wahlweise in der Geinbergerstraße 24 oder am Weidfeldweg 1 oder überhaupt irgendwo verschollen. Erst durch IHRE unkooperative Öffnung des Briefkastens, nimmt das System einen definierten Zustand – sprich „Koa Post da“ an. Wenn Sie also keine Post bekommen, dann öffnen Sie den Briefkasten nicht! Dann haben sie nämlich mehr Post bekommen als wenn sie ihn öffnen. Zwar Schrödingers Post, aber immerhin irgend wessen Post.

Anton Zeilinger, „unser“ Nobelpreisträger, forscht übrigens zum Thema Quantenteleportation. Vielleicht ist ja das die Zukunft der Postzustellung. Na dann: Beam me up, Briaftroga!  

Erschienen in den Oberösterreichischen Nachrichten in der Rubrik Unser Innviertel

Mehr Kolumnen

Erhalte neue Artikel von mir direkt in deinen Posteingang!

Schließe dich 3.402 anderen Abonnenten an

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.