Bye Bye Kachelofen

Jänner 2023

I miassat, i kanntat, i soitat oba.


Mosauerin Kolumne

Früher war alles – Sie ahnen es bereits: besser. Da räumte man, nach einem langen Gartenjahr mit langwieriger Pflanzerlanzucht, großen Gießsorgen und reichem Erntesegen irgendwann im September oder allerspätestens Oktober die Beete ab. Befreite alle Gartengeräte von der Erde und verräumte sie. Sortierte die Gartenhandschuhe auseinander und steckte sie in die Schublade. Und dann verkroch man sich umgehend hinter dem warmen Kachelofen. Und krabbelte frühestens zum Beginn der nächsten Anpflanzsaison wieder dahinter hervor.

Dann spuckte man zwar gut erholt, aber durchaus etwas eingerostet, in die ungewöhnlich sauberen Hände ohne schwarze Randl unter den Fingernägeln und los ging es wieder mit einem neuen Gartenjahr voller neuer Pflanzen, neuer Ideen und neuer Projekte. Bis in diesem Jahr war das bei mir auch so.

Und dann komm ich Wahnsinnige auf die Idee, auf so ein Seminar zu fahren. Gut es kam auch so unschuldig mit dem Titel „Wintergemüseanbau“ daher. Wer ahnt denn, dass man seine Beete nicht 1x im Jahr sondern gleich 3x im Jahr super bepflanzen kann und es möglich ist, bis Weihnachten Salat, Radieschen und Bundzwiebel zu ernten, Koriander zu pflücken und im Jänner schon wieder die Erbsen in die Beete können, damit die im Mai wieder frei sind für die Fruchtgemüsesorten?    

„Was regt sie sich auf, d’Mosauerin“, werden Sie sich jetzt sicher denken. „Salat im Winter, frische Radieschen und knackige Karotten aus dem eigenen Garten in der kalten Jahreszeit sind doch super!“

Jo eh. Aber sie wissen schon, dass ich als alte Innviertlerin ab jetzt von September bis Jänner hinter meinem kuscheligen Kachelofen ein murds schlechtes Gewissen haben werde, wenn ich das alles NICHT anbaue, oder? Bislang war meine Winterpause von der Jahreszeit verursacht und ich konnte nix für meine Untätigkeit. JETZT brüllt mir jede meiner kleinen verschrobenen Innviertler Zellen zu: Du miassast owa! Du kanntast owa! Du soitast owa! Und das so laut, dass ich, wenn ich das ignoriere, nicht untätig, sondern faul bin.

Na dann: bye bye gemütlicher Kachelofen. Ich bin dann wohl mal im Garten.

Erschienen in den Oberösterreichischen Nachrichten in der Rubrik Unser Innviertel

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6 Kommentare zu „Bye Bye Kachelofen

  1. Mein Grossvater machte das auch, er hatte drei Ernten auf drei Beeten im Jahr, während ein viertes brach lag und mit Gründünger bepflanzt wurde. Das Jahr darauf wurde dann rotiert. Leider habe ich nicht gut genug aufgepasst, welche Ernten auf was folgten.

      1. Liebe Mosauerin,
        wer kommt denn auf so eine Idee.
        Da bleibt ja gar keine Zeit zum Arbeitsgwand flicken und Socken stopfen 😉 🥂

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