Unlängst hab ich auf meinen Social Media Accounts etwas zu Mulchen und automatischer Gartenbewässerung gepostet, das eingehender Betrachtung bedarf. Und das machen wir heute hier. Ich spoilere jetzt schon: Mit Mulchen sparst du dir schon mal 50% der Arbeit und wenn du dir noch eine automatische Bewässerung gönnst nochmal 40%. Klingt gut? Ist noch viel besser! Lazy Gardening – damit du Zeit für andere Sachen hast!
Wir werden uns zuerst die Vor- und Nachteile von Mulch ansehen und dann erfährst du, wie du am Besten beim Mulchen vorgehst. Dann wenden wir uns der automatischen Gartenbewässerung zu, die ich heuer bei mir installiert habe und die gemeinsam mit dem Mulchen dafür sorgt, dass ich einen richtigen „Lazy Garden“ bekommen habe. Ich zeige dir, wie ich vorgegangen bin, wie ich es umgesetzt habe und was es mich gekostet hat.
Mulchen
Ich mulche meinen Gemüsegarten ja schon seit Jahren. Und eigentlich immer mit Grasschnitt. Und um die Wahrheit zu sagen: Ich mähe mittlerweile eigentlich nur mehr, wenn ich Grasschnitt zum Mulchen brauche. Dass bei mir der Garten ein klein wenig größer Dimensioniert ist, als im „normalen“ Hausgarten ist schon klar, dafür fällt dort aber auch nicht so viel Grasschnitt an, wie bei mir. Aber im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich Grasschnitt von ca. 1.000m² für meinen Gemüsegarten laufend verarbeite.
Mulchen ist nichts anderes als das Abdecken der Erde mit einer Schicht aus organischem (oder anorganischem Material). Das kann Grasschnitt sein, der ja ohnehin im Garten laufend anfällt, aber eben auch Kies oder Steine. Ersteres ist ökologisch wertvoll, zweiteres eher für Südländer und Kräuter geeignet, die nicht so viele Nährstoffe vertragen. Wer Südländer mit Steinen mulchen will pflanzt sie am Besten in Töpfe, das sieht ganz nett aus und ist dann weniger dramatisch als eine Steinwüste im Garten. Auch eine Schicht aus Hackschnitzel oder Rindenmulch ist Mulch, allerdings eher für Heidelbeeren und Co geeignet. Dabei ist hier zu beachten, dass am Anfang der Zersetzung keine Stickstoffdüngung passiert. Wer Hackschnitzel oder Rindenmulch auf Pflanzen gibt, die viel Stickstoff brauchen, muss zuerst mit Stickstoff düngen.
Welche Vorteile hat Mulchen?
Mulchen hat enorm viele Vorteile im Gemüsegarten, aber die wichtigsten davon sind meiner Meinung nach:
- Mulchen reduziert die Verdunstung aus dem Boden, sodass der Boden länger feucht bleibt. Sprich: du musst weniger gießen und sparst dir Zeit insbesondere, wenn du es mit einer automatischen Gartenbewässerung kombinierst.
- Eine Mulchschicht unterdrückt das Wachstum von Un- bzw. Beikräutern, weil kein Licht an die Samen gelangt, das diese zum Keimen brauchen. Und wenn weniger keimt, musst du weniger auszupfen. Sprich: du sparst auch hier wieder Zeit!
- Mulchen kann deine Pflanzen schützen, denn eine Mulchschicht verhindert, dass Krankheitserreger wie Pilze o.ä, aus dem Boden auf deine Pflanzen gelangen. Zum Beispiel bei Paradeisern kommt die sogenannte Braunfäule oft aus dem Boden auf die Pflanze und nicht wie oft vermutet vom Regen. Das ist auch ein Grund, warum z.B. Erdbeerfelder mit Stoh gemulcht werden – die Stohschicht verhindert eine verfrühte Fäulnis der Erdbeeren.
- Die Mulch Schicht sorgt für eine gleichmäßigere Bodentemperatur: Im heißen Sommer ist es darunter kühler, an kalten Tagen ist es wärmer. Deine Pflanzen wachsen besser!
- Regen und Wind machen dem Boden mit einer Mulchschicht nichts mehr aus. Denn der Boden ist durch den Mulch vor Erosion und Austrocknung geschützt.
- Wenn du organisches Material zum Mulchen verwendest, wird es mit der Zeit zersetzt und du düngst damit den Boden automatisch. Du brauchst weniger Dünger für deinen Garten und sparst dadurch Geld!
- Unter der Mulchschicht ist ein Haufen Leben: Die Mulchschicht fördert die Aktivität von Mikroorganismen und Regenwürmern im Boden, die zur Verbesserung der Bodenstruktur beitragen.
- Wegen den Mikroorganismen und Regenwürmern und weil die Erde mit einer Mulchschicht nicht „nackt in der Sonne“ liegt und ausdörrt, verbessert Mulchen die Versickerung von Wasser und hält den Boden locker. Der Boden kann mehr Wasser aufnehmen, damit sparst du dir wieder Gießzeit!
- In der Mulchschicht leben gerne nützliche Insekten wie Marienkäfer und Spinnen. Die helfen dir, Schädlinge in Schach zu halten.
- Mit Mulchen baust du Biomasse auf. Die Mulchschicht verrottet im Laufe der Zeit, was nicht nur Nährstoffe für deine Pflanzen liefert sondern auch CO2 speichernden Humus in deinem Garten aufbaut.
Welche Nachteile hat Mulchen?
Natürlich ist Mulchen für den Gemüsegarten toll. Es hat aber auch ein paar Nachteile, die man beachten sollte:
- Unter der Mulch Schicht fühlen sich nicht nur Pflanzenwurzeln wohl, auch Schnecken verstecken sich gerne im kühlen feuchten Milieu. Hier ist penible Kontrolle oder eine geeignete Schneckenabwehr (Tigerschnegel!) unbedingt anzuraten! Wenn du Rasenschnitt verwendest, kannst du ihn antrocknen lassen bevor du ihn aufbringst um die Schnecken nicht anzulocken.
- Ist die Mulch Schicht zu dick kann die Bodenfeuchtigkeit darunter Wurzelfäule begünstigen. Insbesondere bei Grasschnitt musst du aufpassen, denn frisches Gras kann leicht zu faulen beginnen, wenn keine Luft dazukommt. Maximal 5-8 cm aufbringen.
- Überdüngung: Beim Abbau von organischem Mulch entsteht Kompost bzw. Humus – der viele Nährstoffe enthält. Was im Gemüsegarten gut und gewünscht ist, ist vor allem auf Wiesen problematisch. Durch das Mulchen kommen vermehrt Nährstoffe in die Wiese – nährstoffarme Magerwiesen sind aber ökologisch besonders wertvoll. Wiesen sollten daher nicht gemulcht werden – das Schnittgut von Wiesen sollte also unbedingt entfernt werden! Ebenso sollte nicht an Bachufern etc. gemulcht werden!
- Mit den Mulchmaterialien kannst du dir Unkrautsamen einschleppen. Aber wenn du ab und zu durchgehst und auszupfst, ist das kein Problem
Mulchen – so gehst du vor
Wenn du eine Gartenbewässerung mit einem Tropfschlauch installieren willst, mach das bevor du mulchst und bevor du deinen Pflanzen einsetzt. Es ist wesentlich einfacher die Pflanzen zum Schlauch zu setzen als den Schlauch an die Pflanzen zu bringen. Natürlich kannst du den Tropfschlauch auch auf eine bereits bestehende Mulchschicht auslegen, wenn du gemulcht hast bevor du Pflanzen eingesetzt hast.
So mulchst du mit Rasenschnitt richtig:
- Schritt: Setze deine Pflanzen. Deine Pflanzen sollten 10-15 cm hoch sein bevor du mulchst, damit sie aus der Schicht rausschauen.
- Schritt: Mähe deinen Rasen mit Grasfangkorb an einem sonnigen trockenen Tag. Das solltest du tun, damit der Rasenschnitt schnell antrocknet und nicht im Beet zu faulen beginnt.
- Schritt: Verteile deinen Mulch ca. 5-8 cm hoch auf dem Boden locker (!) rund um deine Pflanzen. Drück ihn nicht fest, so kann er besser abtrocknen und du bekommst weniger Probleme mit Schnecken
- Schritt: ist die Mulch Schicht angetrocknet kannst du die ganze Fläche gut gießen.
- Schritt: Bis du die richtige Gießmenge im Gefühl hast, schau dir die Erde unter der Mulchschicht an. Ist sie noch gut feucht, brauchst du nicht gießen.
- Schritt: Wenn das Gras nach ein paar Wochen verschwunden oder deutlich weniger geworden ist, kannst du eine erneute Mulch Schicht aufbringen.
Automatische Gartenbewässerung
Nachdem ich im letzten Jahr jeden Tag ca 1,5 Stunden meine Gemüsegärten gegossen habe, habe ich diesen Winter beschlossen: So geht das nicht weiter – Wir automatisieren! Gesagt getan. Es hat zwar etwas Zeit in Anspruch genommen, bis ich mir überlegt hatte, wie ich meine Gartenbewässerung genau mache, denn diese fertigen Lösungen, die man so kaufen kann, waren mir zu unflexibel.
Mein Gemüsegarten ist halt nicht einfach nur ein Hochbeet oder ein paar Reihen nebeneinander, mein Garten schaut heuer so aus:
Ich hab also alles von Hochbeet in lang, bis Hochbeet in kurz bis hin zu Hochbeet in rund, wo meine Melanzani und Paprika wohnen. Eine Herausforderung für die Gartenbewässerung. Und ich wollte obendrein auch nur von einer Seite anspeisen – und das Wasser schlau verteilen, damit ich auch überall noch genügend Wasserdruck habe. Die drei neuen Cortenstahl Hochbeete werden gerade befüllt und werden heuer noch nicht mit bewässert, das kommt dann erst nächstes Jahr zur Gartenbewässerung dazu. Aber mitgedacht habe ich sie natürlich schon.
Nach einigem hin und her hab ich mich dann für ein einfaches „Nutze was du schon hast und erweitere“ System aus Tropfschläuchen (ich hatte 3) und einem Sprühschlauch (hatte ich auch schon) für meine Gartenbewässerung entschieden. Das ganze mit alten Schläuchen verbunden. Der Sprühschlauch sollte ins lange Hochbeet, in die anderen 3 sollten die Tropfschläuche. So sollte es aussehen:
Und so ist es dann auch geworden. Weil man auf der Skizze ja nicht so wahnsinnig viel erkennen kann, folgen wir dem Weg des Wassers in Bildern.
Soe sieht meine Gartenbewässerung aus
Vom Wasseranschluss zur Einspeisung
Ja, das hätte ich bei der Entsiegelung mit bedenken können, dass es schlau gewesen wäre, das Wasser gleich direkt in den Wurzgarten legen zu lassen, aber mei. Man kann ja nicht an alles denken. Und aufgraben kann ich jetzt ja immer noch. Heuer probier ich es aber mal so. Also wer schlauer ist als ich und gleich einen direkten Wasseranschluss im Garten hat, startet von dort. Die anderen legen halt auch Schläuche für die Gartenbewässerung.
Mein Tipp: Grüne Schläuche fallen entschieden weniger auf als gelbe. Aber die waren halt schon da.
Erste Abzweigung: zum langen Hochbeet.
Im langen Hochbeet hab ich einen Sprühschlauch verlegt, ohne besonderen Grund, sondern weil ich den schon hatte. Und ein wenig, weil die Tropfschläuche sehr in sich gedreht sind. Er liegt hier doppelt, weil der Sprühschlauch zum Ende hin nur noch wenig Druck hat und so nicht mehr besonders viel Wasser herauskommt. die Sprühschläuche haben auch den Vorteil, dass man sie hinten einfach erweitern kann. Man braucht nur die Kappe abschrauben und einen „Hahnverbinder“ aufsetzen und kann einen weiteren Gartenschlauch anschließen. Es ist dann aber eine Frage des Druckes, ob noch genug Wasser rauskommt. Diese Verlängerung kommt bei mir aber erst nächstes Jahr zum Einsatz. Momentan brauch ich die nicht.
Ab der Einspeisung gehe ich dann jeweils 3 mal mit einem Y-Verteiler mit dem Wasser weiter. Pro Hochbeet, das ich extra bewässere brauche ich 1x den Y-Verteiler
Die zweite Abzweigung: Ins Salatbeet
Bei meinem Salatbeet (Es hat keinen Grund, dass es überdacht ist – es ist nur dort, weil früher da mal Paradeiser waren und sonst hatte ich keinen Platz und nur super gedüngten Boden) liegt der erste Tropfschlauch. Naja, eigentlich der Dritte, denn von meinen drei Tropfschläuchen, die ich hatte, haben zwei (von einem österreichischen Discounter) beim Auslegen schon aufgegeben. Der Kunststoffschlauch ist mir einfach zwischen den Fingern zerbröselt. Sie waren auch schon ein paar Jahre alt. Der Mindestens genauso alte (wenn nicht ältere) Tropfschlauch vom Marktführer war aber immer noch tiptop. Mein Tipp: Hier lohnt sich der Invest in hochwertige Produkte wie so oft! Bonus: Bei diesen Schläuchen kann man die Wassermenge am Einlauf regulieren! Praktisch, wenn man ein System wie ich hintereinander schaltet.
Im Salatbeet siehst du auch schön, dass ich zuerst den Schlauch gelegt habe. Ihn mit den kaputten Resten vom zerstörten Rosenbogen fixiert habe und dann erst den Salat und den Brokkoli eingepflanzt habe – immer dem Schlauch entlang. Besonders bemüht hab ich mich nicht beim Legen, das wär schon noch schöne gegangen. Aber es wird ja sowieso überwuchert.
Am letzten Bild siehst du auch, wie ein bewässertes ungemulchtes Beet ausschaut. Da Feiert das Beikraut schon Party! Das kommt dann beim nächsten mal mähen dran zum Mulchen.
Das Gitter hat keine besondere Bedeutung, ich habe mir nur gedacht, dass ich darauf den Schlauch besser fixieren kann, was aber auch nicht soooo viel einfacher war als mit meinen Steckerl. Aber dann war der Brokkoli schon drinnen und ich wollte nix mehr riskieren…
Von der zweiten Abzweigung zur dritten (ins Paprika Hochbeet)
Von der zweiten Abzweigung zur dritten geht’s jetzt in die Höhe! Um in das erste runde Hochbeet zu gelangen gehe ich mit meinem Schlauch nun entlang des Melonen Rankgerüstes in die Luft und in das nächste Beet. In diesem Beet hab ich den Tropfschlauch einfach kreisförmig von außen nach innen verlegt. Mittlerweile habe ich da schon drüber gemulcht, man sieht den Schlauch also nicht besonders gut.
…wo die Paprika angeschlossen sind.
Letzter Abschnitt: Über den Rosenbogen zu den Melanzani
Wir schon gehabt, geht es mit einem weiteren Y-Verteiler in die Höhe und mit Hilfe des Rankgerüstes für meine Gurken in das Melanzanibeet. Dort liegt der Schlauch wieder von außen nach innen – und man kann ihn ein wenig besser erkennen, als im anderen Beet.
So schaut sie also aus, meine vollautomatische Bewässerung. Ich brauch jetzt nur noch rübergehen, aufdrehen – und mir eine Erinnerung stellen, damit ich auch wieder abdrehe. Ich kenn mich ja. Mit so einer Intelligenten Bewässerung kannst du dir einiges an Wasserverbrauch einsparen, aber das wichtigste für mich ist, dass ich jetzt nicht mehr jeden Tag endlos Zeit zum Gießen verwenden muss.
Alle meine Beete lassen sich individuell bewässern. Die Tropfschläuche lassen sich einzeln regeln und der Sprühschlauch hängt (als einziger) an einem Stop-Verbinder, das heißt, wenn ich den Abstecke kommt kein Wasser raus. Sehr Praktisch.
Die Kosten meiner Gartenbewässerung im Gemüsegarten
Besonders interessant ist bei solchen Projekten immer was man dafür braucht und was es wirklich gekostet hat.
Was du brauchst ist schnell kalkuliert:
pro Beet das du einzeln bewässern willst: 1 x Y-Verteiler (ca. 5€ / Stk)
pro Y-Verteiler 6x Schlauchverbinder (ca. 5€ wenn du sie einzeln kaufst, oft gibt es ja Sets)
Perlschlauch: 32€ (vom Marktführer)
Sprühschlauch: von einem Discounter, hatte ich schon, hat glaub ich mal 10 oder 20 Euro gekostet???
Alte Gartenschlauchstücke zum Zusammenbasteln. Waren auch da.
Insgesamt hab ich also für meine individuelle Bewässerungslösung heuer 130€ ausgegeben.
Wenn ich jetzt rechne, dass ich mir 3 Monate lang jeden Tag mindestens 1 Stunde Zeit spare, hat sich das auf jeden Fall ausgezahlt.
Lazy Gardening: Gartenbewässerung & Mulchen
Mulchen und automatisches Bewässern spart mir in meinem Garten jetzt so viel Zeit ein, dass ich wirklich manchmal dasitze und denke: Warum hab ich mein Lazy Gardening Projekt nicht schon viel früher begonnen.
Wie schaut das bei dir aus? Hast du auch schon einen Lazy Garden? Der dir viel Arbeit spart und auch noch toll für die Nachhaltigkeit ist? Was hast du umgesetzt?
