Willkommen im Lazy Garden!

Im Januar hat nicht nur mein Hofladen Pause, auch im Garten ist es noch ein Monat der Ruhe. Während draußen die Kälte den Boden fest im Griff hat und der Igel tief in seinem Laubbett schläft, können wir die Zeit nutzen, um unser Gartenkonzept zu überdenken. Warum nicht auch im Garten mehr auf Ruhe und Gelassenheit setzen? Genau wie der Igel, der sich auf die Natur verlässt, kann auch unser Garten vieles selbst regeln – mit der richtigen Herangehensweise. In meinem „wilden“ Garten funktioniert das schon ganz gut: Viele Dinge regeln sich von selbst, und das bedeutet für mich vor allem eines: mehr Zeit zum Genießen! Willkommen in meinem Lazy Garden!

Was ist mein Lazy Garden?

Mein Garten im Herbst

Mein Lazy Garden ist kein Ansatz für Menschen, die überhaupt keine Lust auf Gartenarbeit haben, sondern für diejenigen, die ihren Garten auf natürliche Weise gedeihen lassen wollen, ohne ständig nachhelfen zu müssen. Das Prinzip basiert darauf, die Natur mehr arbeiten zu lassen und auf den Garten einzuwirken, um ihn selbstregulierend zu gestalten. In meinem Lazy Garden geht es darum, Prozesse in Gang zu setzen, die den Garten mit möglichst wenig menschlichem Eingreifen nachhaltig und gesund halten.

Ein zentraler Bestandteil des Lazy Gardens ist es, die richtigen Bedingungen zu schaffen, sodass sich Pflanzen, Tiere und das gesamte Ökosystem harmonisch miteinander verbinden. So übernehmen Insekten, Vögel und andere Gartenbewohner wichtige Aufgaben, wie die Bekämpfung von Schädlingen, ohne dass wir ständig eingreifen müssen. Das reduziert meinen Arbeitsaufwand, fördert die Biodiversität und schont die Umwelt. Und sorgt für eine reichhaltige Ernte. Denn ein Garten soll uns auch mit allerlei Köstlichkeiten versorgen, oder?

Meine Prinzip des Lazy Gardens

Lazy Garden
Die erste Weinbergschnecke seit JAHREN hier. Ich freue mich immer enorm, wenn ich entdecke, wie schnell die Natur einzieht, wenn man ihr nur die Möglichkeit gibt!

Mein Lazy Garden kommt eigentlich mit einem einzigen Prinzip aus, das zu einem funktionierenden, naturnahen Garten führt:

Alles andere ergibt sich daraus? Warum?

1. Tiere als Schädlingsbekämpfer – oder besser: Gleichgewichtsmeister

Im Garten gibt es eigentlich keine Schädlinge – jedes Tier hat seine Aufgabe im Ökosystem. Vögel, Igel, Frösche und viele andere tierische Helfer stellen das Gleichgewicht wieder her, indem sie für natürliche Regulation sorgen. Dieses Ungleichgewicht verursachen wir Menschen, indem wir ein Überangebot an Nahrung für bestimmte Spezialisten schaffen (Schnecken) und dabei gleichzeitig den Lebensraum für deren Fressfeinde zerstören (ordentlicher Garten). Also müssen wir da nachhelfen und das eine oder andere Igel-Hotel, einen Totholzhaufen, eine Benjes-Hecke oder einen Tümpel schaffen.

Benjes Hecke
Die Benjes Hecke ist ein idealer Lebensraum für Insekten und Kleinsäuger

2. Insekten für mehr Ertrag

Insekten wie Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge sind im Garten nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch die eigentlichen Stars, wenn es um eine reiche Ernte geht. Ohne ihre fleißige Arbeit bei der Bestäubung würde vieles im Garten nicht so üppig gedeihen. Deshalb tue ich alles, um ihnen ein gutes Zuhause zu bieten – von Blühstreifen bis hin zu Insektenhotels aber auch Sandhaufen und ganz, ganz wichtig: Totholz.

3. Mulchen – der beste Schutz vor „Beikräutern“

„Unkraut“ gibt es in meinem Garten nicht, Beikraut allerdings schon. Diese Pflanzen sind nicht nur nützlich und z.B. perfekt als Würze in einem frischen Salat, sondern auch wichtig – doch manchmal nehmen sie meinem Gemüse einfach Platz, Licht und Nährstoffe weg. Und ich hab meinen Nutzgarten ja nicht zum Spaß, Ertrag will ich schon auch!
Mit einer Mulchschicht – aus Grasschnitt, Laub oder Stroh – bleibt der Boden bedeckt, das Beikraut wird unterdrückt, und der Boden bleibt schön feucht. Und ich muss weniger Unkraut-zupfen. Win-win für mich UND mein Gemüse! Ich mulche fast nur mit Grasschnitt.

Ich mulche fast ausschließlich mit Grasschnitt.

4. Mähen – aber nur, wenn Mulch gebraucht wird

Ich greife nur eigentlich zum Rasenmäher, wenn ich Mulch für meinen Garten brauche. Das schont nicht nur Zeit und Energie, sondern schafft auch Rückzugsorte für Insekten und andere Gartenbewohner. Auch wenn es sich „nur“ um eine fette Wiese handelt, selbst dort bildet sich im Laufe eines Sommers ein wildes Sammelsurium an Insekten. Wichtig beim Mähen einer hohen Wiese: Niemals von außen nach innen und niemals alles auf einmal. Damit die Insekten nämlich Zeit haben, die Flucht zu ergreifen.

5. Alles stehen lassen für die Insekten

Im Herbst mache ich nicht alles „sauber“ – im Gegenteil! Abgestorbene Pflanzenteile lasse ich einfach stehen, denn sie bieten Insekten wie Marienkäfern und Wildbienen eine wichtige Überwinterungsmöglichkeit. Und es macht auch einfach bedeutend weniger Arbeit! Im Frühling kann dann alles Abgestorbene vom Beet.

Lazy Garden
Darf alles stehen bleiben. Ausgewachsener Radi, Karotten und wilde Möhren, Liebstöckel und und und. Dazwischen findet sich dann auch gerne mal noch „richtiges“ Wintergemüse wie der Mangold im Hintergrund.

6. Schlau bewässern statt gießen

Wasser ist kostbar, und ich finde, wir sollten es so effektiv wie möglich nutzen. Mit einem durchdachten Bewässerungssystem, wie Tropfbewässerung, wird genau die richtige Menge Wasser direkt an die Pflanzen gebracht. Das spart mir nicht nur Zeit beim Gießen, sondern auch Ressourcen. Bevor ich mein selbstgebautes Bewässerungssystem installiert habe habe ich im Hochsommer jeden Tag 1,5 Stunden damit verbracht, meinen Gemüsegarten und die ganzen Kräuter zu bewässern. Heute dreh ich einfach das Wasser auf, geh einen Prosecco trinken und dreh dann wieder ab. Und durch die Tropfschläuche und der Mulchschicht verbrauche ich so übrigens besonders wenig Wasser. Der Boden trocknet damit nämlich weit nicht so schnell aus!

Gartenbewässerung Mosauerin

7. Natürlich düngen mit selbstgemachtem Kompost

Gekaufter Dünger kommt bei mir nicht in Frage. Stattdessen vertraue ich auf meinen eigenen Kompost. Gemüseabfälle, Laub und andere Gartenreste werden bei mir wieder zu wertvollem Dünger – ganz einfach und natürlich. So schließt sich der Kreislauf, und der Boden bleibt gesund und lebendig. Gut ich muss schon gestehen, ich habe Dünger-mäßig einen Vorteil, denn meine Hühner produzieren mir den wertvollsten Dünger überhaupt. Tipp für dich, falls auch du zu den glücklichen Hühnereltern gehörst: Steig bei deiner Einstreu auf Lein- oder Hanfhächsel um, das kompostiert superschnell und ergibt perfekt gedüngten Kompost für Paradeiser und co! Wenn du auf gekauften Dünger angewiesen bist (was du eigentlich nicht bist, sobald du einen Kompost besitzt) verwende Hornspäne und Gesteinsmehl. Das reicht vollkommen aus!

Übrigens: Lazy Garden funktioniert auch am Balkon!

Auch auf dem Balkon oder der Terrasse kannst du mein Lazy-Gardening-Konzept umsetzen. Ein „fauler“ Stadtgarten braucht nicht viel: ein paar robuste Pflanzen, die richtigen Töpfe, etwas Mulch und vielleicht ein Mini-Kompostsystem. Mit wenig Aufwand kannst du deinen Balkon in eine grüne Oase verwandeln, die nicht nur dir, sondern auch Bienen und Schmetterlingen Freude bereitet. Ich zeig dir in meinen Lazy Garden Beiträgen auch immer wie du deinen Lazy City Garden umsetzen kannst!

Mosauerin Innviertel Wurzgarten Update

Mein Lazy Garden im Jahresverlauf: Was kommt in den kommenden Monaten?

Ab Ende Jänner werde ich euch regelmäßig mit Beiträgen zum Lazy Gardening versorgen. Monat für Monat geht es dann darum, wie ihr euren Garten mit wenig Aufwand pflegen könnt und welche Maßnahmen sinnvoll sind, um einen naturnahen, selbst regulierenden Garten zu gestalten. Die Themen werden dabei sowohl praktische Tipps als auch theoretische Hintergründe umfassen.

Und damit du nicht hintennach lesen musst, starten wir eben Ende Jänner damit, was dich im Februar erwartet: geht es dann um die erste Aussaat, den Obstbaumschnitt und um die Beete, im März geht’s um noch mehr Gemüseausaat und um die ersten Auspflanzungen, und im April widmen wir uns dem Thema, wie ihr Nützlinge gezielt anzieht.

Freu dich auf spannende Monate voller Tipps, die dir dabei helfen werden, deinen persönlichen Lazy Garden zu erschaffen und zu einem Ort der Entspannung und der natürlichen Schönheit zu machen.

Und sag mir: Könntest du dir auch vorstellen, deinen Garten ein bisschen wilder zu lassen?
Oder bist du schon ein Lazy Gardern Girl?


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