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Mehr als nur eine Beilage: Warum Erdäpfel jetzt ihren großen Auftritt haben

Ja, ich weiß schon, ich muss euch jetzt wahrscheinlich nicht erklären, was ein Erdapfel ist. Wahrscheinlich liegt ohnehin in fast jedem Haushalt irgendwo ein Sack im Keller, in der Speis oder zumindest im Vorratsschrank. Ohne Erdäpfel geht’s eben fast nicht. Sie sind bodenständig, unkompliziert und – immer da. Aber auch Erdäpfel haben eigentlich eine Saison – aber niemand seht sie wahrscheinlich so herbei wie Erdbeeren, Spargel oder Marillen. Völlig zu unrecht, wie ich finde.

Warum Erdäpfel gerade jetzt Saison haben

Während viele beim Gedanken an den Frühsommer sofort Erdbeeren, Spargel oder die ersten Marillen im Kopf haben, beginnt jetzt auch die Zeit der Heurigen Erdäpfel! Die ersten frisch geernteten Kartoffeln kommen auf den Markt und unterscheiden sich deutlich von den Lagererdäpfeln, die uns das ganze Jahr begleiten. Ihre Schale ist dünner, das Fruchtfleisch besonders zart und ihr Geschmack feiner und frischer.

Wer einmal ein paar Heurige mit Butter, Schnittlauch und etwas Salz gegessen hat, versteht schnell, warum das eines meiner absoluten Lieblingsgerichte ist. Und das nicht nur, weil es einfach ist und schnell geht (was mir ja im Sommer bei all der Gartenarbeit immer besonders wichtig ist)

Genau deshalb möchte ich den Erdäpfeln in den kommenden Wochen eine kleine Beitragsserie widmen. Denn kaum ein Lebensmittel ist in unseren Küchen so selbstverständlich – und wird gleichzeitig so oft unterschätzt wie die gute alte Knolle aus der Erde mit ihren vielen Namen.

Warum heißen Erdäpfel bei uns eigentlich Erdäpfel?

Die Kartoffel stammt bekanntlich ursprünglich aus Südamerika. Als die Spanier die Knolle im 16. Jahrhundert nach Europa brachten, wurde aus dem südamerikanischen Begriff „papa“ das spanische Wort „patata“. Aus dieser Bezeichnung entwickelten sich viele europäische Namen.

Im Gebiet der ehemaligen Habsburgermonarchie nahm die Sprachgeschichte allerdings einen etwas anderen Weg. In Österreich setzte sich der Begriff Erdapfel durch. Er beschreibt bildhaft eine Frucht, die eben in der Erde wächst. Älter ist jedoch die Bezeichnung Grundbirn oder Grumbirn. Auch diese Namen beziehen sich auf die Vorstellung einer Frucht, die aus der Erde kommt. Nur dieses mal eben die Birne statt dem Apfel. Bei uns ist dieser Begriff allerdings nicht mehr so geläufig. In Ungarn, Kroatien, Bosnien, Serbien und vielen anderen Regionen, die einst zur Habsburgermonarchie gehörten, werden Kartoffeln immer noch Krumpir, Krumplir oder ähnlich genannt.

Ja und warum dann aber Kartoffel?

Der Begriff „Kartoffel“ selbst hat eine ganz andere Herkunft. Er geht vermutlich auf das italienische Wort „tartufolo“ – Trüffel – zurück: eine Bezeichnung, die man wählte, weil die Knolle an Trüffel erinnerte, die ebenfalls unter der Erde wachsen. Über verschiedene Sprachstufen entwickelte sich daraus im Deutschen schließlich das Wort „Kartoffel“. Und das blieb.

Nicht jeder Erdäpfel ist gleich – Küchenbasics

Wer regelmäßig kocht, weiß: Erdäpfel ist nicht gleich Erdäpfel.

Grundsätzlich unterscheidet man drei Kategorien:

Festkochende Erdäpfel

Sie bleiben beim Kochen schnittfest und behalten ihre Form.

Ideal für:

Vorwiegend festkochende Erdäpfel

Die Allrounder in der Küche.

Ideal für:

Mehligkochende Erdäpfel

Sie werden beim Kochen besonders locker und zerfallen leichter.

Ideal für:

Welche Sorten sich für welche Gerichte besonders gut eignen, schauen wir uns in einem eigenen Beitrag noch genauer an.

Lagerung von Erdäpfel

Erdäpfel mögen es kühl, trocken und dunkel. Die finstere Speis ist also geradezu ideal für sie.

Werden sie nämlich zu hell gelagert, können sich grüne Stellen bilden. Diese enthalten Solanin, ein natürlich vorkommendes Glykoalkaloid, das von Nachtschattengewächsen wie Kartoffeln (aber auch Tomaten und Melanzani/Auberginen) zur Abwehr von Schädlingen und Krankheiten produziert wird und auch durch Erhitzen nicht unschädlich gemacht werden kann. Deswegen solltest du auch bei unreifen Tomaten aufpassen. Wenn deine Erdäpfel grüne Stellen haben, solltest du diese großzügig wegschneiden, dann kannst du die Erdäpfel trotzdem verwenden.


Mein Einkaufstipp:

Kauf deine Erdäpfel unbedingt beim Biobauern und nicht im Supermarkt. Warum?
Beim Biobauern bekommst du sie in der Regel ungewaschen und sie halten daher WESENTLICH länger als die gewaschenen aus dem Supermarkt!


Außerdem gilt:

Je frischer die Erdäpfel, desto empfindlicher sind sie. Besonders die beliebten Heurigen halten sich deutlich kürzer als Lagererdäpfel.

Heurige Erdäpfel vs. Lagererdäpfel – wo ist der Unterschied?

Heurige Erdäpfel – in Deutschland oft Frühkartoffeln genannt – werden deutlich früher geerntet als Lagererdäpfel. Während Lagererdäpfel vollständig ausreifen und anschließend monatelang gelagert werden können, kommen Heurige frisch vom Feld direkt auf den Teller.

Im nächsten Beitrag schauen wir uns genau diese Heurigen Erdäpfel im Detail an: Was sie von Lagererdäpfeln unterscheidet, warum man sie möglichst nicht schälen sollte und was sie so besonders macht.


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