Ja wie: Innviertel goes Vienna? Ooooh ja! Es gibt sie, die kulinarische Innviertler Enklave z’Wean: Im „Ährlich“ im 9. Bezirk nämlich. Aber fangen wir von vorne an: Über Johanna Möslinger und ihr Lokal „Ährlich“ im neunten Bezirk in Wien bin ich eigentlich komplett zufällig gestolpert. Eigentlich war ich nämlich auf der Suche nach einem Thema für meine Kolumne in den OÖN. Im Rahmen meiner Suche wurde mir dann in „der Presse“ ein Artikel mit dem Titel „Innviertel ohne Foodkoma“ angezeigt. Seit wann gibt’s denn sowas! Meine Neugier war geweckt. DAS musste ich mir anschauen. Und deswegen bin ich zur Johanna. Zuerst auf ihren Innviertler Bauernhof, dann in das Ährlich in Wien. Und für die Backwütigen unter euch hab ich auch ein Rezept mitgebracht!
Am Bauernhof in Wippenham
Es ist ein recht frischer und finsterer Tag im Jänner, als ich Johanna auf ihrem Bauernhof etwas außerhalb von Wippenham besuche. Sie wartet bereits an der Tür. Groß, weißblond, sportlich. Und auf den ersten Blick sympathisch. Sie bittet mich hinein und an ihrem großen Tisch in ihrer Küche trinken wir Kaffee. Der große Tisch kommt nicht von ungefähr, Johanna ist eine leidenschaftliche Gastgeberin. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sich an das Projekt „Ährlich“ wagte.
Für den Bauernhof in Wippenham, 1989 von Johannas Vater gekauft und neben seiner Arbeit als Internist in Ried mit Leidenschaft bewirtschaftet, hat sich die Corona Pandemie als wahrer Glücksfall entpuppt. Und was für ein Glück, dass Johanna die Liebe zu diesem Flecken Land wohl vererbt bekommen hat. Johanna – im „richtigen“ Leben im Vorstand des Konzerthauses Wien und Geschäftsführerin des dortigen Restaurants „EssDur“ – hatte durch Corona plötzlich viel Zeit und viel Energie, die wo hin musste. Sprich eine Renovierung des in die Jahre gekommenen Gemäuers war ideal. Gestartet wurde die Sanierung außen und in der Stube, der komplette Boden wurde herausgerissen ( „Zu Weihnachten haben meine Schwester, mein Schwager und ich 80m³ Erde aus der Stube hinausgeschaufelt“) und neu von unten diffusionsoffen aufgebaut. Der Putz kam von den Wänden und wieder drauf und neue Holzfenster gab es auch für das Haus. Eine neue Küche kam auch noch rein, mit eben diesem riesigen Tisch, an dem Johanna und ich sitzen und feststellen, wir haben ganz schön viel gemeinsam: Beide beinahe gleich alt, beide einen Bauernhof renoviert, beide nicht mehr im „erlernten“ Beruf tätig. Beide gerne Gastgeberinnen und eine Leidenschaft für gutes Essen. Nur dass Johanna sportlich auch noch ist 😉
Aber zurück zum nachhaltig renovierten Hof, der sich jetzt als modernisierter und zurückhaltend designter Wohntraum präsentiert. Zu dem Zeitpunkt weiß ich es noch nicht, aber das Design des Hofes korrespondiert perfekt mit dem Design im Ährlich.
Wir tauschen uns an diesem großen gemütlichen Tisch in Johannas Küche über Handwerker, Renovierungen, Landleben, Stadtleben und all den anderen Kram aus, lachen viel und laut – aber dann ist es auch schon zeit Adieu zu sagen und uns einen Termin für ein Wiedersehen im Ährlich in Wien zu machen.
Wiedersehen im „Ährlich“ in Wien
Drei Wochen später. Es ist mittlerweile Ende Jänner geworden und ich mache mich mit dem Zug auf nach Wien um Johanna im Ährlich zu besuchen. Wie das allermeiste in Wien ist das Ährlich mit öffentlichen Verkehrsmittel super zu erreichen. Von der Haltesteller Bauernfeldplatz ist man in fünf Minuten in der „Innviertler Exklave“. Ich komme über die Dietrichsteingasse zum Ährlich und kann so schon durch die großen Fenster direkt in die Backstube bzw. die Küche sehen. Sehr lässig, wie ich finde!
Es ist später Vormittag und im Ährlich ist es gerade ruhig (was für ein Zufall, denn genauso haben wir uns das ausgemacht) – Johanna ist noch in ihrem „richtigen“ Job im Konzerthaus Wien beschäftigt und so sehe ich mich erst mal ein wenig alleine um. Ich mag das Design der Tische und Stühle und die Kombination aus warmen Holz und kühlem Metall. Die weißen Wände sind nur mit einem Bild geschmückt: ein überdimensionales gemaltes Bild mit einer Holzbank, darauf 4 Säcke Getreide. Da ist er wieder, der Innviertler Bauernhof. Aber auch sonst habe ich im Ährlich gleich das Gefühl bei Johanna am Hof zu sein. Ähnliches Design, die schöne und gemütliche Kombination aus alt und neu (mag ich ja auch besonders). Auf einer alten Kommode liegt ein Buch mit Bildern vom Hof, das Johanna gerne herumzeigt und erklärt.
Essen im Ährlich
Dass das Innviertel im Ährlich präsent ist, merkt man nicht nur an der Herkunft der verwendeten Produkte und dem ähnlichen Design Stil wie am Bauernhof in Wippenham. Auch die Speisekarte trägt das Innviertel auf einem Banner vor sich her. So findet man Innviertler Frühstück (gibt’s – da mögen manche lachen – auch vegan!), Wippenhamer Frühstück, oder auch Innviertler Charcuterie und – natürlich! – Innviertler Knödel auf der Karte.
Die Mitarbeiter:innen im Ährlich: René kümmert sich um das Wohl der Gäste und versorgt sie mit Speisen und Getränken. Alma, eine der wenigen Bäckerinnen in Österreich, ist eigentlich zum Studieren nach Wien gekommen und dort dem Backen verfallen und immer gut gelaunt wird für die Gäste gut gekocht von Senem.
Auch ich probiere die Küche im Ährlich aus und entscheide mich natürlich für ein Innviertler Frühstück – das es, ganz entgegen den Innviertler Gewohnheiten auch in einer veganen Version gibt. Ich bekomme Wurst und Schinken vom Feichtinger sowie Jersey Brie von der Premiumkäserei Pranz, Honig aus Altheim und ein Ei von Florian Regl. Der ist es auch, der die zum Hof gehörenden Felder für Johanna bewirtschaftet und das Getreide anbaut, das Alma dann zum Beispiel auch zu den exzellenten original Ährlich Kipferl und – eine Sensation außerhalb des Innviertels – endlich g’scheide Weckerl verarbeitet.
Und wenn ich schon im Innviertel in Wien bin, komm ich ja auch nicht umhin, die Innviertler Knödel zu probieren. Aber wie die geschmeckt haben, verrate ich euch jetzt nicht. Die müssts schon selbst probieren. Dazu gibt’s übrigens – natürlich – Bier aus dem Innviertel: von der Brauerei Ried nämlich.
Wenn du übrigens in die Herstellung von Innviertler Knödel samt des dazugehörigen Sauerkrauts eintauchen willst und gleich einen Schwung für daheim herstellen willst: ich hätte da was für dich…
Workshop
Innviertler Knödel – köstlich und selbstgemacht
Die typischen Innviertler Knödel sind kleine, mit Surspeck gefüllte Knödel mit maximal 5cm Durchmesser und sind DAS für unsere Region typische Gericht. Die Knödel werden die in der Regel mit Sauerkraut gegessen.
In diesem Workshop lernst du original Innviertler Knödel und das dazugehörige Sauerkraut zu machen – und kannst sie auch gleich verkosten! Und das Beste daran: Du kannst deine selbstgemachten Knödel & dein Sauerkraut natürlich mit nach Hause nehmen!
Aber zurück zum Ährlich: Die Speisekarte und das Sortiment wechseln regelmäßig. Dies ist nicht nur der Lieferantenstruktur geschuldet, vorwiegend wird eben von kleinen Innviertler Betrieben zugekauft, sondern entspricht auch der Philosophie dahinter: „Es kann einfach nicht alles dauernd verfügbar sein.“ Das finde ich allerdings auch und so betreib auch ich meine Mosauerei.
Das Konzept „Innviertel in Wien“ scheint aufzugehen, denn Johanna verrät mir, dass man am Wochenende ohne Reservierung keine Chance auf einen Platz hat. Mehr Platz gibt es dann im Frühling, wenn die Gastgartengenehmigung da ist. Dann wird 28 Plätze umfassende Ährlich um 40 Sitzplätze erweitert und Abendgeschäft angeboten.
Backe backe: Brot!
Neben dem Geschäft mit der Innviertler Küche ist ein weiterer wichtiger Bestandteil die Herstellung von Brot in jeglicher Form. Nicht umsonst bezeichnet Johanna das Ährlich als „Bäckerant“ – eine Mischung aus Bäcker und Restaurant. Wie schon erwähnt kommt das Getreide dafür vom eignen Hof bzw. vom Nachbarn. Gemahlen in Altheim und in 200 Kilo Portionen nach Wien gebracht.
Von meinem Besuch in der Bäckerei Ährlich in Wien habe ich euch auch noch das Basisrezept des Innviertler Bauernbrotes mitgebracht. Auf diesem haushaltstauglichen Rezept basiert das tolle Roggenmischbrot im Ährlich! Dort ist das Rezept natürlich etwas abgewandelt – zum Beispiel wird kein Germ sondern nur Sauerteig verwendet und das Brot wird 2x gebacken, damit es eine dicke Kruste bekommt. Ich hab mir natürlich so einen Laib mitgenommen und muss sagen: Schmeckt wunderbar!
Das Originalrezept stammt übrigens von Johannas Mama Gerhild, aber weil die handschriftlichen Notizen doch etwas schwer zu entwirren sind hab ich euch das alles nochmal in schön und zum Ausdrucken zusammengeschrieben. Vielen Lieben Dank an dieser Stelle für das Rezept, Johanna!
Innviertler Bauernbrot – Ährlich Wien
Zutaten
Für den Sauerteig
- 60 g Roggenmehl
- 1 großer EL Roggen-Sauerteig
- 60 g Wasser
Für das Brot
- 500 g Dinkel & Weizenmehl
- 250 g Roggenmehl von den Mehlen in Summe 1/3 Vollkorn, die genaue Mischung ist nicht so wichtig
- Sauerteig vom Vorabend
- 20 g Salz
- 8 g Germ
- 10 g Anis ganz
- 10 g Kümmel ganz
- 525 g Wasser lauwarm
Anleitungen
- Für den Sauerteig das Roggenmehl mit einem großen Eßlöffel Sauerteig und 60g Wasser vermischen und bei Zimmertemperatur über Nacht stehen lassen.
Brot zubereiten
- Morgens: Alle Zutaten in der Küchenmaschine zu einem homogenen Teig verarbeiten und dann eine halbe Stunde bei Zimmertemperatur stehen lassen
- Den Teig im Kühlschrank für mindestens 12 Stunden rasten lassen
- Abends:Den Ofen auf 250 Grad Ober/Unterhitze vorheizen.Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und rund wirken (einen Laib formen) und ins Simperl geben (Gärkorb).
- Eine halbe Stunde bei Zimmertemperatur gehen lassen und dann ab in den Ofen bei Ober/Unterhitze.
- 20 Minuten bei maximaler Temperatur 250 Grad backen jedoch nach 5 Minuten Schwaden (etwas Wasser in den Ofen leeren, das sofort verdunstet)Nach 20 Minuten Temperatur auf 200 Grad reduzieren. Nach einer gesamten Stunde das Brot aus dem Ofen holen.Abkühlen lassen und sofort aufessen 🙂
Das war es dann auch schon wieder mit meinem kleinen Besuch bei Johanna in Wien. Wenn ihr mal in den neunten kommt, schaut mal im Ährlich vorbei – auf eine Mohnkrone mindestens. Die gibt’s übrigens, weil sie Johanna so an ihre Kindheit in Ried erinnern und das Ziel war: Eine Mohnkrone wie damals beim Mayer Bäcker. Ich denke das ist ihnen gelungen, im Ährlich.
Ährlich Wien
Instagram: @aehrlich.wien
Ährlich Wien auf Facebook
http://www.aehrlich.at
Tel: +43 660 8119431
Wasagasse 28
1090 Wien
Öffnungszeiten:
Mittwoch – Freitag 8:00 – 16:30
Samstag – Sonntag 8:30 – 15:30
Gastgartenbetrieb in der warmen Jahreszeit Freitag & Samstag abends
Also ich geh das auf jeden Fall wieder hin, sind mir sich ährlich 😉
