Das Amtsgeheimnis

September 2023

Es ist Herbst geworden.


Jetzt ist er also da, da Herbst. Vom Inn her treibt es bereits die ersten Nebelschwaden Richtung Weidenthal und weil es g’scheid ist, den Wurzgarten über den Winter mit dem ganzen alten Gestrüpp stehen zu lassen, hat die Mosauerin plötzlich viel Zeit. Viel Zeit um sich um liegengebliebene Dinge des Frühlings zu kümmern. Zum Beispiel um meine Anfrage vom April an das Land Oberösterreich, warum es denn vor dem Bahnhof Braunau keinen Zebrastreifen gäbe und was eigentlich zu tun sei um einen solchen zu erhalten. Als brave Bürgerin habe ich die Anfrage über die Website gestellt und auch prompt eine automatische Antwort bekommen: Mein Anliegen wurde an die Abteilung Verkehr weitergeleitet.

Und dann geschah, Sie ahnen es bereits: Nix.

Es geschieht mittlerweile mehr als fünf Monate nix und weil ich jetzt eben wieder Zeit habe, ein bissi lästig zu sein, rufe ich einfach mal beim Land an und erkundige mich, was denn eigentlich aus meiner Anfrage geworden ist. Und höre: „Mia sind da net zuständig“ – Immer eine gute Antwort, aber nun interessiert mich, warum sich seit fünf Monaten offenbar keiner bemüßigt fühlt, mir das mitzuteilen. Das kann mir die Dame am Telefon nun aber leider auch nicht sagen und verbindet mich zum „wirklich obersten Chef“. Was, zum Landeshauptmann himself? Nein.

Nach oben zum Direktor. Bzw. zu dessen Sekretärin. Die erklärt sich zwar auch für nicht zuständig, sagt mir aber immerhin, sie sähe, dass meine Anfrage ein Zeichen für „Weitergeleitet“ hätte. Wohin es denn weitergeleitet wurde? Das sähe sie wiederum nicht, denn sie sei ja auch erst seit September da. Sie sei sich aber sicher, dass es bestimmt an die zuständige Stelle weitergeleitet wurde. Na dann… Das wäre übrigens das Stadtamt Braunau und ich solle doch dort anrufen.

Was ich natürlich mache. Ich habe ja Zeit. „Wer ist denn bei euch für Zebrastreifen zuständig?“ erkundige ich mich. Die prompte Antwort: „die Polizei“. Ok, da ich nicht annehme, dass wirklich die Polizei die Zebrastreifen aufmalt, formuliere ich um: „wer ist denn dafür zuständig, dass man einen kriegt?“ Ich werde verbunden. Spontan kann man mir auch dort nicht sagen, was aus meiner Anfrage geworden ist. Ich solle sie nochmal schicken, dann schaue man sich das an. Was ich natürlich prompt mache. Man verspricht mir eine Rückmeldung innerhalb der nächsten zwei Wochen.

Ich bin ja mal gespannt, wie lange es dauert, bis wir dieses Amtsgeheimnis lüften werden. Ich habe Zeit. Es ist Herbst geworden.

Erschienen in den Oberösterreichischen Nachrichten in der Rubrik Unser Innviertel

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.