Koa Stimm net!

Oktober 2023

Wir brauchen viel. Aber bestimmt kein weiteres Gewerbegebiet.


Fallerallala lala la la. Entschuldigen Sie bitte meinen ausgesprochen unpassenden Einstieg, denn schließlich ist ja erst in zwei Monaten Weihnachten und draußen hatte es heute absolut unweihnachtliche 21 Grad. Was singt die Mosauerin also Weihnachtsfahrstuhlmusik vor sich hin?

Nun, ich habe eine gute Ausrede: Ich war zwecks meiner aktuellen mosauerischen Husten-Schnupfen-Heiserkeitssache, die sich aus einer ursprünglichen Mosauerin-hat-gar-keine-Stimme-Sache entwickelt hatte, heute endlich bei meiner Hausärztin des Herzens.

So ein Besuch bei derselben ist für mich ja schon ein größerer Ausflug. Weil ich dann, ganz entgegen meinen Gewohnheiten (alles was nur irgendwie geht mit Öffi oder Radl zu erledigen) doch ins Auto steigen muss und gefühlt quer durchs ganze Innviertel gondle, um mich in ihre heilenden Hände zu begeben. Das soll jetzt nicht nach Wunderheilung klingen. Nur nach Ärztemangel.

Es ist ja schon beeindruckend, was Gemeinden so an Engagement und Tatendrang an den Tag legen können, wenn es um Ankauf von landwirtschaftlichem Grund und der Umwidmungen desselben in Gewerbegrund samt zugehöriger Flächenversiegelung geht. 10,3 Hektar hier – 3,09 Mio. Euro da, wer zählt da schon so genau mit. Der selbe Einsatz bei der Ansiedelung von Ärzten? Wär mir jetzt SO nicht bekannt. Und das, obwohl man mit 3,09 Mio. Euro einer Ärztin genau 51,5 Jahre lang 5.000 Euro extra zahlen könnte. Jedes Monat. Zusätzlich.

Gut, man könnte dem natürlich entgegen halten, dass so ein Arzt in der Gemeinde ja ohnehin obsolet wird, sobald es nur genügend Betriebe im Gewerbegebiet gibt. Denn wir haben gelernt: „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut!“ Wie ist da eigentlich die Umrechnung? Zwei Hektar Gewerbegebiet ersetzt einen Augenarzt? Acht eine Zahnärztin? Zehn einen Allgemeinmediziner? Irgendwie so muss es sein. Bei uns dürfte da auch schon wieder was im Gange sein. Mir geht’s nämlich auch schon viel besser! Fallerallala.

Falls Sie übrigens der Meinung sind, dass Sie bei sich in der Gemeinde viel brauchen, zum Beispiel einen Arzt, einen Bäcker, oder von mir aus auch einen Zebrastreifen aber bestimmt nicht schon wieder eine Erweiterung des Gewerbegebietes: Dann sagen Sie das ihrem Bürgermeister. Sie haben nämlich eine Stimme! Auch wenn sie gerade heiser sind.

Erschienen in den Oberösterreichischen Nachrichten in der Rubrik Unser Innviertel

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