Weit haben wir’s gebracht

Juli 2025

Willkommen bei den Tradwives


Na bitte – jetzt ist es also wieder hip, sich in die Küche zu stellen, Teig zu kneten und dem Ehemann mit gestärktem Kleid und süßem Lächeln die Hausschuhe zu reichen. Er trifft die Entscheidungen, verdient das Geld. Sie? Backt Brot und ist nett.

Willkommen bei den Tradwives, den Instagram-Hausfrauen 2.0 – Influencerinnen in Rüschenkleidern, die behaupten, sie hätten die wahre Weiblichkeit entdeckt. Sie faseln von „femininer Energie“, meinen aber: still sein, schön schauen, nicken. Haushalt als Berufung, Unterhosen bügeln als Lebenssinn. Manche gehen auch ganz auf in Homeschooling statt Schule – Gott, Garn und Gehorsam sozusagen. Der Tag beginnt mit Gebet und Sauerteigpflege, zwischendurch wird milde gelächelt und am Nachmittagskaffee genippt, während man eine Insta-Story darüber dreht, wie erfüllend es ist, dem Mann zu dienen.



Und während sie all das inszenieren, erzählen sie, dass das die wahre Freiheit sei – endlich nicht arbeiten zu müssen, keine Karriere zu machen, sondern sich wieder ganz dem Frausein „im ursprünglichen Sinn“ zu widmen. Als wäre 1955 das Paradies gewesen.

Generationen von Frauen vor uns haben sich den Hintern aufgerissen, damit wir wählen dürfen, arbeiten können, nicht beim Ehemann um Geld bitten müssen. Damit wir ein eigenes Konto haben. Und heute schauen wir zu, wie junge Frauen freiwillig in die Vergangenheit zurückwollen – und dafür auch noch Likes (und jede Menge Geld) kassieren.

Diese Tradwife-Idylle ist wie ein schlechter überzeichneter Heimatfilm – nur mit Ringlicht und Affiliate-Link.

Weit haben wir’s gebracht. Und wir sollten wirklich darauf aufpassen, dass das auch so bleibt.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.