Juli 2024
…Dahoam is zwar Dahoam, aber was willst du machen, wenn dich die große Meeressehnsucht packt?

Wenn man einem gewissen Franz S. glauben schenken mag, sollte der Oberösterreicher (und „sie“) ja eigentlich gar nicht fortfahren und am besten zuhause bleiben. Nur hält sich der Oberösterreicher (und „sie“) in letzter Zeit aber überhaupt nicht an diese heimatgesangliche Empfehlung. Und das obwohl es erstens ökologisch sinnvoller wäre und er zweitens die Landeshymne in voller Innbrunst bei jeder sich bietenden Gelegenheit in die Umgebung schmettert.
Dahoam is zwar Dahoam, aber was willst du machen, wenn dich die große Meeressehnsucht packt und du dringend Salz auf deiner Haut, Wind in deinem Haar und einen Fisch auf deinem Teller brauchst? Man bucht sich eine Reise.
In meinem Fall bucht man sich halt keine Flugreise nach Bali, die Malediven oder Griechenland. Weil ich ja nicht nur Wein predige und dann Prosecco trinke, ging es für uns heuer nach: Split. Nein. Nicht mit dem Flugzeug. Auch nicht mit dem Auto. Mit dem Zug!
Der Nachtzug von Wien nach Split. Das heißt 800km in 14,5 Stunden Fahrtzeit (wovon ich neun Stunden verschlafen habe). Das heißt aber auch: Ein eigenes Abteil mit Waschgelegenheit. Ein Begrüßungs-Sekt. Frühstück zum Aussuchen. Hotelschlapfen zum bequemen aufs Klo gehen. Und der Schlafwagenschaffner richtet dir dein Bett her, wenn du schlafen magst. So entspannt und entschleunigt bin ich wirklich noch nie in den Urlaub gestartet.
In Split angekommen, warteten schon Sonne, Meer und mediterranes Flair auf mich. Aber irgendwie überkam mich beim Aussteigen ein seltsames Gefühl. Dieser Bahnhof kam mir so bekannt vor. War ich hier schon mal? Nein. Erinnerte er mich an einen andere Bahnhof? Möglicherweise. Nur an welchen? Paris? Nein. Berlin? Nein. Venedig? Nein.
Und dann fällt es mir wie Schuppen von den Haaren: Der Bahnhof in Split sieht genauso aus wie der Bahnhof in Ried im Innkreis! Gleiche Länge, gleiche „rustikale“ Bahnsteiganlage, gleiche Anzahl von Menschen, die einfach über die Gleise latschen. Ok, weniger Graffiti. Aber so im Großen und Ganzen. Split – Ried, kaum ein Unterschied. Und da hab ich mich schon ein bissi geärgert und an den Franzl gedacht: „Zawos fahr i denn furt, wenn’s woanders ah net anders ist.“ Hat er doch recht gehabt? Bleib ich in Zukunft hymnen-konform lieber daheim?
Ich seh‘ es so: Wenn mich in Zukunft die spontane Urlaubssehnsucht packt, dann brauch ich einfach nicht mehr so weit fahren.
Dann fahr ich einfach nach Ried.
Aufn Bahnhof.
Erschienen in den Oberösterreichischen Nachrichten in der Rubrik Unser Innviertel
