A z’laufens Hendl

März 2025

Ich hab da ja so Hühner…


MIttelweihnachten

Sie glauben ja nicht, was mir schon wieder passiert ist. Ich hab da ja so Hühner. Und eines dieser Hühner hatte ein orthopädisches Handicap: Zwei zusammengewachsene Zehen, die sich auch noch kreuzen. Habe ich beim Kauf nicht gesehen, weil ich nicht g’scheit g’schaut hab, dann hat sie gegluckt und irgendwann ging es halt nicht mehr g‘scheit mit dem Laufen bei dem Hendl. In jedem anderen Innviertler Haushalt wäre die Geschichte an dieser Stelle mit einem köstlichen Rezept von Coq au vin zu ende, bei mir beginnt sie erst.

Ich also das Huhn geschnappt und quer durchs Innviertel gegondelt um eine hühnerwillige Tierärztin aufzusuchen, findet man ja kaum. Hühner werden in Herden behandelt, Einzeltierbehandlungen finden praktisch nicht statt. Bei mir natürlich schon. Das Huhn wurde begutachtet, die eine Zehe muss weg, OP Termin ausgemacht, perfekt!

Am Tag der OP extra früh aufgestanden, damit ich mit meiner Morgentour rechtzeitig fertig bin, denn um 8:50 musste ich das Huhn am anderen Ende des Innviertels abgeben. Aber wenn ich schon mal mit dem Auto unterwegs bin erledige ich dann gleich noch alle anderen Sachen einer lange Liste. Ich richte mir also alles her, packe das Huhn in die Transportbox, räume das Auto ein, springe nochmal in die Werkstatt und hole den Deltaschleifer der ein Ersatzteil braucht, lege ihn in den Kofferraum, sichere ihn, damit er nicht herumfliegt und das Huhn gefährdet, steige ein. Will losfahren.

Denke mir: „Ich hole noch eine Decke für über die Box, damit sie sich nicht aufregt“. Also wieder ins Haus. Eine Katze will Futter. Nehme mir noch einen Kaffee mit. Setze mich hinters Steuer. Komme drauf: Habe die Decke im Haus liegen gelassen. Denke mir: „Ah wird schon so auch gehen.“ Starte los und gondle vorsichtig gen Eggelsberg. Besonders vorsichtig sogar, damit das Huhn nicht zu sehr durchgeschüttelt wird. Sanft in den Kurven, nicht zu schnell beschleunigen. Wär‘ ja nix blöder, als wenn das Huhn im Auto vor der OP vor lauter Aufregung stirbt. Aber das Huhn war auf der Fahrt ganz besonders brav. Keinen Mucks hat es gemacht. Und sonst regt sie sich eh immer so auf.

Ich komme um exakt 8:50 vor der Tierarztpraxis an, parke ein, steige aus, öffne den Kofferraum. Und sehe: Nix! Keine Box! Kein Huhn! Hab ich zerlaufenes Hendl, mein nicht laufendes Hendl stehen lassen! Daheim. Vorm Haus. Auf da Sunbeng! Die ganze Fahrt umsonst! Himmelherrschaftszeiten Mosauerin, jetzt is‘ wirklich soweit!

Als ich wieder daheim war und mich das Huhn freudestrahlend von der Sunbeng  anlachte, hab ich umgehend einen Online Demenz Selbsttest gemacht.

Was dabei herausgekommen ist?

Ich hab’s vergessen.

Erschienen in den Oberösterreichischen Nachrichten

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