Ich steh ja ziemlich auf saisonale Produkte, weil es diese Produkte zu etwas besonderen macht, dass es sie nicht immer gibt. Marillen zum Beispiel. Gerade eben habe ich mit die Erste des Jahres von meinem Marillenbaum geholt. Oder Erdbeeren. Die schmecken 100 mal so gut, WEIL es sie nur eine begrenzte Zeit gib (um die, die man sonst bekommt sollte man schon rein geschmacklich einen großen Bogen machen). Und ziemlich genau mit der Erdbeersaison startet bei uns auch eine andere Saison, die viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt: Die Saison der Heurigen. Perfekter Anlass also, sich mal genau mit den Heurigen Erdäpfeln zu beschäftigen.
Was sind Heurige Erdäpfel überhaupt?
Heurige Erdäpfel (in Deutschland auch oft Frühkartoffeln genannt) sind keine bestimmte Sorte, sondern sind festkochende oder vorwiegend festkochende Sorten, die geerntet werden, bevor sie vollständig ausgereift sind. Deshalb haben sie auch diese hauchdünne Schale, die man meist gar nicht schälen muss. Du kannst sie einfach gründlich waschen und nach dem Kochen mit Schale essen.
In und direkt unter der Schale stecken bei der Kartoffel nämlich nicht nur viele Nährstoffe, sondern auch jede Menge Geschmack. Es wäre wirklich schade, davon die Hälfte im Biomüll oder am Kompost landen zu lassen.
Was unterscheidet Heurige von „normalen“ Erdäpfeln?

Weil sie aber so frisch sind, diese Heurigen, unterscheiden sie sich alleine schon dadurch von den „normalen“ Lagererdäpfel. Ihre Schale ist aber nicht nur dünner als bei Lagererdäpfeln, sie enthalten auch mehr Wasser und sind dadurch saftiger als ihre ausgereiften Kollegen.
Das hat allerdings auch einen klitzekleinen Nachteil: Sie sind dadurch bei weitem nicht so lagerfähig. Während man Lagererdäpfel monatelang trocken und kühl aufheben kann (insbesondere, wenn du sie vom Biobauern ungewaschen holst) müssen Heurige relativ bald nach dem Kauf gegessen werden. Wie genau sie gelagert werden sollten erfährst du weiter unten.

Mein Einkaufstipp:
Kauf Heurige möglichst regional und nur in der Menge, die du in den nächsten Tagen wirklich brauchst. Sie sind kein Vorratsgemüse, sondern ein Saisonprodukt – und genau das macht ihren besonderen Reiz aus.
Was kann man aus Heurigen machen?
Heurige kanns man für viele Erdäpfelgerichte verwenden, wegen ihres geringeren Stärkegehalts eignen sie sich jedoch nicht für Erdäpfelpüree oder Erdäpfelknödel (und alle anderen Gerichte, die Stärke brauchen) geeignet.
Natürlich lässt sich aus ihnen ein frischer sommerlich leichter Kartoffelsalat herstellen. Oder wie wär es mit knusprigen Ofenkartoffeln? Aber auch als Gratin machen die Heurigen bestimmt eine gute Figur.
Muss man Heurige schälen?
Nein!
Wenn die Schale in Ordnung ist und sie frisch sind, reicht es völlig aus, die Erdäpfel gründlich zu waschen oder leicht abzubürsten. Wer Heurige schält, entfernt einen Teil dessen, was sie besonders macht.
Natürlich gilt aber auch bei diesen Erdäpfeln: Beschädigte Stellen oder Verunreinigungen sollten entfernt werden.
Woran erkennt man gute Heurige?
Gute Heurige haben:
- eine glatte, feine Schale
- feste Knollen
- keine (!) grünen Stellen
- keine (!) Keimlinge
- einen frischen, erdigen Geruch
Je regionaler und frischer sie sind, desto besser.
Wie lagert man Heurige am Besten?
Im Gegensatz zu Lagererdäpfel solltest du Heurige im Kühlschrank lagern – aber nicht zu lange, sie sind ein Frischeprodukt!
Bei 4-8 Grad halten sie sich maximal 2 Wochen.

Wann haben Heurige Saison?
Heurige Saison ist bei uns ca. von Anfang Juni bis etwa Mitte August.
So esse ich Heurige am liebsten
Einfach mit der Schale gekocht, dazu kalte Butter und grobkörniges Salz. Fertig. Das geht schnell und ist perfekt für den Sommer, weil Kartoffeln leicht sind, gut sättigen und nebenbei auch Kalium und andere Mineralstoffe liefern – genau das Richtige an heißen Tagen.
Und es schmeckt einfach soooooo gut.
Tipp: Probier mal Rosmarin zu den Kartoffeln, das ergänzt sich super!
Wer’s nicht ganz so schlicht mag wie ich, macht sich vielleicht noch einen Liptauer dazu (mein Lieblingsrezept hier: Liptauer Rezept) oder einen Radieschenaufstrich (Rezept hier: Radieschenaufstrich) – oder einen Salat oder… der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Was allerdings begrenzt ist, ist die zeitliche Verfügbarkeit von Heurigen. Aber ich glaub das ist deshalb, damit ich mich auch nächstes Jahr wieder auf die ersten Heurigen freuen kann…
So geht’s weiter:
In den nächsten 3 Artikel geht’s dann los: es wird gekocht! Freu dich auf drei Erdäpfelsalat Rezepte von bodenständig bis extravagant. Die du auch alle mit Heurigen zubereiten kannst – natürlich! Vielleicht ist ja dein neuer Lieblings-Erdäpfelsalat dabei…
